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Wie ein Schlaf-Hormon Gesundheit und Gedächtnis beeinflusst

302 Nervenzellen, ein Schlaf-Neuron, große Erkenntnisse: C. elegans hilft Dresdner Forschern, die Geheimnisse des Schlafs zu entschlüsseln.
Nur einen Millimeter lang, aber wissenschaftlich hochwertvoll: der Fadenwurm C. elegans unter dem Mikroskop. © Byoungjun Park
Von: Wissensland
Ein Hormon, eine Nervenzelle, ein winziger Wurm: Forschende der TU Dresden haben herausgefunden, wie das Hormon Somatostatin über den Schlaf Gedächtnis, Stoffwechsel und Lebensspanne steuert.

Jeder kennt es: Nach einer schlechten Nacht fällt das Denken schwerer, man ist unkonzentriert und der Körper wirkt erschöpft. Doch warum Schlaf so tief in Gesundheit, Gedächtnis und Stoffwechsel eingreift, verstehen Forschende bis heute nur teilweise. Ein Team der Technische Universität Dresden hat jetzt einen möglichen Schlüsselmechanismus entdeckt.

Die Forschungsgruppe um Prof. Henrik Bringmann vom Biotechnologischen Zentrum (BIOTEC) der TU Dresden hat untersucht, wie das Hormon Somatostatin im Körper wirkt. Somatostatin ist seit Jahrzehnten bekannt. Es bremst Wachstum und Stoffwechsel und kommt bei Tieren und Menschen vor. Rätselhaft war bisher, wie ein einziges Molekül so viele unterschiedliche Prozesse gleichzeitig beeinflussen kann. Die Studie erschien im Fachjournal Science Advances.

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Der Schlaf als Schaltzentrale

Die Antwort könnte im Schlaf liegen. Somatostatin steuert offenbar nicht direkt jede einzelne Körperfunktion. Stattdessen wirkt es gezielt auf eine schlafaktive Nervenzelle. Über den Schlaf beeinflusst das Hormon dann Stoffwechsel, Gedächtnis und möglicherweise sogar die Lebensspanne", erklärt Byoungjun Park, der die Studie durchführte. "Hormone funktionieren im Grunde nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip: Sie passen in bestimmte Rezeptoren auf den Zellen und aktivieren so spezifische Funktionen. Wir haben entdeckt, dass sich das ‚Schloss' für das Somatostatin-ähnliche Molekül beim Wurm direkt auf der schlafaktiven Nervenzelle befindet. Diese eine Zelle steuert den gesamten Schlaf des Tieres.

Um das zu beweisen, schalteten die Forschenden diesen Rezeptor genetisch aus. So konnten sie beobachten, was passiert, wenn das Hormon die Schlafzelle nicht mehr erreicht.

Ein Wurm als Schlüssel zum Menschen

Das Versuchstier heißt Caenorhabditis elegans, kurz C. elegans. Es ist ein hauchdünner Fadenwurm, etwa einen Millimeter lang. Er lebt im Boden und besitzt exakt 302 Nervenzellen. Beim Menschen sind es Milliarden. "C. elegans sind kleine, genetisch hervorragend untersuchbare Organismen. Da sie viele grundlegende Prozesse mit dem Menschen teilen, sind sie ein wertvolles Modell, um fundamentale biologische Phänomene wie den Schlaf zu entschlüsseln", sagt Bringmann. Die einfache Struktur des Wurms erlaubt es, wichtige Dinge klar zu beobachten. "Genau deshalb ist die Grundlagenforschung an Fadenwürmern so wertvoll: Sie ermöglicht es uns, komplexe Wechselwirkungen zu entwirren und die elementaren Mechanismen zu verstehen, die über unser Leben und unsere Gesundheit entscheiden", ergänzt er.

Die Erkenntnisse aus Dresden zeigen: Schlaf ist kein passiver Zustand. Er könnte eine zentrale biologische Schaltstelle sein, über die Hormone wichtige Prozesse im Körper koordinieren. Und ein winziger Wurm hat geholfen, das besser zu verstehen.


Originalpublikation:
Byoungjun Park, Lama Mohsen, Inka Busack, Laura Uhlig, Lorenzo Rossi, Gill Pollmeier, Ellen Geens, Majdulin Nabil Istiban, Sajal Mandal, Reshma Dominic Savio, Isabel Beets, Attila Stetak, und Henrik Bringmann: C. elegans somatostatin/allatostatin C signaling regulates sleep, metabolism, survival, and memory via a sleep-active neuron. Science Advances (April 2026)

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