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Briefe von Gräfin Cosel zurück am Verbannungsort in Stolpen

Briefe von Gräfin Cosel zurück am Verbannungsort in Stolpen
Burg Stolpen hat fünf Handschriften der legendären Gräfin Cosel als Schenkung aus Privatbesitz erhalten. / Foto: Robert Michael/dpa
Від: Sachsen News
Gräfin Cosel gilt als ungekrönte Königin der Sachsen. Ihre Geschichte bewegt noch heute die Gemüter. Nun sind bislang unbekannte Briefe der berühmten Mätresse aufgetaucht.

Der Museologe Jens Gaitzsch ist sich sicher. Mit ihrem großen Mitteilungsbedürfnis wäre Gräfin Cosel (1680-1765) heute eine Influencerin mit einer Unmenge an Followern. Wohl keiner hat die Geschichte der barocken Lichtgestalt so gründlich erforscht wie der 63 Jahre alte Mitarbeiter von Burg Stolpen. Hier verbrachte Anna Constantia von Cosel die letzten 49 Jahre ihres Lebens in Verbannung. 

Eines steht fest: Auch in der Verbannung drehten sich die Gedanken der ungekrönten Königin oft um Geld. Dabei war ihr einstiger Gönner August der Starke (1670-1733) durchaus um ihr leibliches Wohl besorgt. «Nichts solle ihr abgehen», lautete seine Anweisung für die in Ungnade gefallene Mätresse, als sie im Alter von 36 Jahren nach Stolpen kam. Die Cosel sollte hier angemessen residieren - mit eigenen Gemächern, Dienstboten und erlesenen Speisen.

Burg Stolpen erhält fünf originale Handschriften der Gräfin zurück

Stolpen hat nun fünf weitere originale Handschriften der Gräfin in Besitz. Die Briefe befanden sich zuletzt in Privatbesitz und kamen als Schenkung an ihren letzten Lebensort zurück. «Die bewegende Geschichte der Gräfin Cosel in der Burg Stolpen ist für viele Menschen eine sehr emotionale Angelegenheit. Mit solchen wichtigen Zeugnissen und Exponaten wird sie besonders gut erlebbar», betonte Christian Striefler, Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen. Es gebe zwar viel über die Cosel, aber nicht sehr viel von ihr. 

Cosel gilt als schillernde Figur der sächsischen Geschichte

Die Cosel ist de facto der weibliche Superstar der sächsischen Geschichte. Bücher, Legenden und auch ein Musical ranken sich um die schillernde Figur. Heiligabend 1716 ließ August der Starke die selbstbewusste und eigenmächtige Frau nach Stolpen bringen. Schon ein paar Jahre zuvor war sie in Ungnade gefallen, hatte sich vergebens der Flucht zu entziehen versucht. 

Gaitzsch hat ein Buch über sie geschrieben: «Lebenslang verbannt: Die Gefangenschaft der Gräfin Cosel 1716-1765». Bei den Recherchen sei sie ihm nicht unbedingt unsympathischer geworden, räumte er später ein und nannte die Gräfin geltungssüchtig, exzentrisch und unnachgiebig, aber auch intelligent, belesen und großzügig. Ihr Auftreten sei bestimmt und resolut gewesen. Häufig verberge sich gerade dahinter aber auch Unsicherheit, meint Gaitzsch. «Sie hat sich nicht an zeitliche Konventionen gehalten.»

Leben der Gräfin Cosel ist gut erforscht

Selten ist das Leben eine Frau aus der Barockzeit so gut erforscht worden wie das der Cosel.  Am 17. Oktober 1680 kam sie auf Gut Depenau in Holstein zur Welt. In ihrer Jugend war sie Hoffräulein im Schloss Gottdorf bei Schleswig und in Wolfenbüttel. 1703 wurde sie schwanger, doch weder vom Vater noch vom Kind erfuhr die Nachwelt. Die Heirat mit dem sächsischen Geheimrat Adolf Magnus von Hoym gab ihr die Chance, die Schande vergessen zu machen. 

So gelangte Anna Constantia nach Dresden. Doch die Ehe galt schon nach einem Jahr zerrüttet. Hoym reichte 1705 die Scheidung ein. Zu diesem Zeitpunkt hatte der sächsische Kurfürst und Polen-König August schon ein Auge auf die Cosel geworfen - angeblich bei einem Brand im Hause Hoym, bei dem er die junge Frau beherzt beim Löschen gesehen hatte. 

Drei Kinder gingen aus der Liaison mit dem starken August hervor

Drei Kinder waren das Resultat dieser Liebesbeziehung. Doch Anna Constantia - 1706 zur Reichsgräfin erhoben - wollte mehr. Sie rang August ein Eheversprechen ab - für den Zeitpunkt, dass seine Frau Christiane Eberhardine das Zeitliche segnete. Als es 1727 so weit war, befand sich die ungekrönte Königin schon ein gutes Jahr in Verbannung. 

Autor Gaitzsch sieht die Cosel nüchtern. Sie sei mittellos nach Sachsen gekommen und hier zur mehrfachen Millionärin geworden. «Sie war vom Stamme Nimm.» Tatsächlich offenbarte eine 1719 erfolgte Eröffnung ihrer Besitzverhältnisse eine erkleckliche Summe. Auf 828.528 Taler wurde ihr Vermögen beziffert. Eine Magd oder ein Knecht hätten seinerzeit einen Taler pro Monat erhalten, die meisten Menschen damals 70 bis 80 Taler pro Jahr verdient, bringt der Fachmann einen Vergleich. 

Cosel rechnet mit August dem Starken ab

Ihr Temperament hat die Cosel auch hinter den Gefängnismauern nicht verloren. Sie wäre lieber mit einem Schweinehirt liiert gewesen als mit Seiner Majestät, soll sie auf Burg Stolpen über den Kurfürsten und König geäußert haben. Auch an einigen Stellen gibt sie Einblick in ihre Gefühlswelt. Sie sitze hier «wie ein Stummer und Tauber, der sich von Aberwitz regieren lassen» müsse, schrieb sie. 1740 sieht sie ihr Leben wie ein «Würfelspiel» Sie «leide, dulde in der Stille über alles, was nicht zu ändern stehet». 

Unbestritten ist, dass Gräfin Cosel von manchen als eigentliche Herrscherin am Hof wahrgenommen wurde und sich als Kurfürstin und Königin fühlte. Sie soll sich in höfische Angelegenheiten eingemischt haben, was ihr wohl viele Feinde einbrachte. Nach einem schnellen Aufstieg folgte 1716 der tiefe Fall. Nur ein einziges Mal, am Ende ihres Lebens, soll die Cosel die Burg verlassen haben, um Kindern auf dem Marktplatz von Stolpen zuzusehen. Im heutigen Coselturm ging ihr Leben zu Ende. Ob es eine Genugtuung für sie war, den starken August überlebt zu haben, ist reine Spekulation.

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