Um 11.38 Uhr rollt der Triebwagen am Bahnhof Schlettau an, doch der Führerstand ist verwaist. Allerdings ist hier im Erzgebirge kein Geisterzug unterwegs, sondern die Bahntechnik der Zukunft wird erprobt. Zeitgleich sitzt in Braunschweig Lokführer Volker Grube vor zwei Bildschirmen und steuert den Wagen mit sicherer Hand. Dazu bekommt er in Echtzeit Kameradaten aus dem Zug übertragen. Rund drei Jahre wurde an dem Projekt zur Fernsteuerung von Zügen geforscht - mit dem Ergebnis zeigten sich die Beteiligten aus Wissenschaft und Wirtschaft am Mittwoch sehr zufrieden.
Züge aus der Ferne zu steuern ist nach Expertenangaben ein wichtiger Baustein hin zu autonomen Fahren auf der Schiene - etwa als Rückfallebene. Dabei müsse sichergestellt werden, dass ein Lokführer in der Ferne alle Informationen erhalte, um den Zug genauso sicher zu steuern, als säße er drin, erklärte der Leiter des Instituts für Verkehrssystemtechnik am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Michael Ortgiese. In Schlettau werden dazu die Daten mittels 5G-Mobilfunk übertragen.