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Felsenbirne (Pirna): Die glückliche Gans und der tapfere Rosé

Lamm im Hauptgang
Von: Ulrich van Stipriaan
Kochsternstunden im Restaurant Felsenbirne in Pirna: ein sorgfältig komponiertes Menü mit glücklicher Gänseleber, Kalbsbries, Seeteufel und zweierlei Lamm; handwerklich überzeugt, Weinbegleitung eher zurückhaltend.

Vor dem Restaurantbesuch steht die Lektüre der Karte – wobei es mir nicht um Unverträglichkeiten geht (ich bin gegen nichts allergisch, außer gegen schlechten Geschmack), sondern um einen Vorgeschmack auf das, was kommt. Ein Menü mit glücklicher Gänseleber, gefolgt von Kalbsbbries und Seeteufel, Lamm auf zweierlei Art und einem Dessert, das uns schon vor Jahren nicht Pomelo war: das klingt doch uffregend! Also auf nach Pirna, um das Kochsternstunden-Menü zu testen!

Das aufregend klingende Menü hat seinen Preis: knapp hundert Euro, die durchaus nicht überdurchschnittlichen Weine aus der Getränkebegleitung werden mit acht Euro pro Glas auch sehr tapfer verkauft. Das könnte ein Grund dafür sein, dass es an diesem Abend in dem doch recht großen Restaurant nicht allzu voll war. Andererseits kann es ja sein, dass Chefkoch und Gastgeber Felix Mikulla ja Größeres vor, also probieren wir.

Der erste Gang ist sprachlich ein ziemliches Kuddelmuddel aus englischen, französischen und deutschen Begriffen. Die glückliche Gänseleber (glücklich, weil die Tiere nicht gestopft wurden) präsentierte sich auch auf dem Teller mit den Partnern Brioche und Chutney in einer eher ungeordneten Anordnung, die sich bei mir nicht zu einem Bild formen wollte. Aber: Häppchen für Häppchen schmeckte und alles kam dann im Mund zu einem passenden Ganzen zusammen.

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Kalbsbries gehört zu den Innereien, die es nicht so oft gibt – einerseits sicher, weil es das nicht oft gibt (die Drüse dient dem Tier zur Immunabwehr und zum Wachstum und bildet sich zurück), andererseits weil die Vorbereitung nicht unaufwändig ist (wässern, pressen, putzen). Wenn man aber das alles richtig gemacht hat, ist Kalbsbries eine feine Zutat – ob in komplizierten Gerichten wie dem berühmten Kalbsbries Rumohr oder schlicht gebraten mit der ein oder anderen Begleitung. Wobei schlicht gebraten nicht heißt, dass der Koch (oder die Köchin) da nicht aufpassen muss: wie immer kommt’s auf den richtigen Zeitpunkt an. Den hatte Felix Miulla perfekt getroffen, und mit fein abgeschmecktem Spitzkohl, Kartoffelkrapfen und einer Jus war das winterlich anheimelnd.

Es folgten quasi zwei Hauptgänge – einer mit Fisch, einer mit Fleisch. Der Seeteufel hatte sich Kürbis zur Begleitung eingeladen: eingelegt einerseits, im Kürbiskern-Risotto andererseits und somit in sich ergänzenden Geschmacksnuancen. Die Sauce dazu war aus Krustentieren zubereitet – was die ganze Angelegenheit geschmacklich nochmals ein wenig anhob. Der Fleischgang griff die Zweierlei-Idee auf, übersetzt aufs Lamm: das war zartrosa als sous vide gegarte und kurz angebratene Lammhüfte einerseits sowie als Ragout mit passender Sauce andererseits auf dem Teller. Dazu gab es Rosenkohl und Kartoffelpüree. Das klingt nach Hausmannskost, aber die Umsetzung hob sie dann doch deutlich ab vom groben Sattmacher. Ich finde es auch gut, wenn Spitzkohl, Kürbis oder Rosenkohl vom Image der Kantinenkost (gerne auch: Schulspeisung) entrückt und einfach mal schmackhaft zubereitet werden.

Zum Dessert holte uns mit ein wenig Pomelo dann die Erinnerung an die ersten Kochsternstunden in der Felsenbirne ein, dieses Mal in einer Kombi mit einem Brownie, einem Schoko-Parfait und einem Sorbet. Eine Sinfonie in Apricot…

Ein Satz noch zur Getränkebegleitung. Die kam fast ausschließlich vom Weinhandwerk Meißen (der Chardonnay von Studier in der Liste war aus) – was man ja machen kann. Aber auch in der wertigeren Gründerzeit-Linie sind das natürlich keine großen Weine, sondern allenfalls sehr angenehme Alltagsweine – und wenn man eine Klientel anstrebt, die hochpreisige Kulinarik zu schätzen weiß, dann kennt und liebt die in der Regel auch anspruchsvollere Weine. Besonders beim Hauptgang fällt ein Rosé (so gefällig, wie die Meißner ihn für ihre Klientel machen) da eigentlich schnell raus.

Menü

  • Happy Foie Gänseleber Terrine (ohne Stopfen) karamellisiert
    hausgemachte Brioche | Cranberry-Birnen-Chutney | Feldsalat
  • Kalbsbries gebraten
    Spitzkohl | Kartoffelkrapfen | Sherry-Jus
  • Seeteufel gebraten
    Kürbiskern-Risotto | Eingelegter Kürbis | Krustentiersauce
  • Lammragout und Lammhüfte Sous vide
    Rosenkohl gebraten | Kartoffel-Sesam-Püree
  • Pekannuss-Brownie
    Preiselbeer Sorbet | Curd | Schokoladen Parfait | Pomelo

Getränkebegleitung

  • 2022 LORIINI Blanc, halbtrocken | Weingut Schott | Nahe
  • 2024 Chardonnay trocken, Weingut Studier | Pfalz
  • 2023 Cuvée Grau-Weissburgunder, trocken, Weinhandwerk Meißen | Sachsen
  • 2022 Spätburgunder Rosé, DQW, trocken, Weinhandwerk Meißen | Sachsen
  • 2023 Riesling Kabinett Gründerzeit, Weinhandwerk Meißen | Sachsen

Info

  • 3-Gang 66 € | inkl. Weinbegleitung 90 €
  • 4-Gang 89 € | inkl. Weinbegleitung 121 €
  • 5-Gang 98 € | inkl. Weinbegleitung 138 €

Restaurant Felsenbirne
Lange Straße 34
01796 Pirna

Tel. +49 3501 / 7599791
felsenbirne-restaurant.de

[Besucht am 10. März 2026]

Ulrich van Stipriaan
Artikel von

Ulrich van Stipriaan

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