Ein Erlebnis im Wahllokal in Sachsen zeigt, wie schnell Empörung aufkommen kann. Ein Paar beschwert sich über die Platzierung der AfD auf dem Stimmzettel. Warum Information statt Empörung der bessere Weg ist.
Im Wahllokal zur heutigen Kommunal- und Europawahl in Dresden kam es zu einer bemerkenswerten Szene. Ein Pärchen beschwerte sich lautstark darüber, dass die AfD nicht auf Platz 1 des Stimmzettels für die Stadtrats- und Stadtbezirksbeiratswahl zu finden war. "Die können wohl das Alphabet nicht?", schimpften sie. Der Wahlhelfer erklärte geduldig das System dahinter: Die Reihenfolge auf den Stimmzetteln richtet sich nach der Stimmenzahl, die die Parteien und Wählervereinigungen bei der letzten Stadtratswahl erreicht haben. Da nicht alle Parteien und Wählervereinigungen in allen Wahlkreisen zugelassen wurden, gibt es auf manchen Stimmzetteln Lücken.
Trotz dieser Erklärung schien das Paar irritiert und nahm die Wahlzettel mit skeptischen Blicken in die Wahlkabinen. Diese kurze Szene im Wahllokal war bezeichnend für einen weit verbreiteten Reflex: die sofortige Empörung und das Vermuten einer Verschwörung, ohne sich zunächst über die Hintergründe zu informieren. Es ist spannend zu sehen, wie schnell der Empörungsmechanismus anspringt, wenn etwas nicht den eigenen Erwartungen entspricht. Doch oft gibt es, wie auch in diesem Fall, eine plausible Erklärung.