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Tschechiens niedriges Armutsrisiko: Was die EU-Zahlen aussagen

Münzen verschiedener Währungen, darunter tschechische Kronen und Euro, auf einer weißen Fläche.
Der EU-Indikator erfasst neben niedrigen Einkommen auch Entbehrungen und geringe Erwerbsbeteiligung. Foto: Kili / Wikimedia Commons, Public Domain. Original und Freigabe: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Coins.jpg
Tschechien hat EU-weit den niedrigsten Anteil an Menschen, die von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht sind. Die Quote für 2025 liegt bei 11,5 Prozent. Was sich daraus ablesen lässt – und was nicht.

Prag. Tschechien steht bei einem zentralen EU-Sozialindikator vergleichsweise gut da: 2025 waren 11,5 Prozent der Bevölkerung von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht, so wenige wie in keinem anderen EU-Mitgliedstaat. Das geht aus den bereits am 30. April veröffentlichten Eurostat-Daten hervor, die Prague Morning am 25. Oktober erneut aufgegriffen hat. Der EU-Durchschnitt lag bei 20,9 Prozent; insgesamt betraf das 92,7 Millionen Menschen. Nach Tschechien verzeichneten Polen mit 15,0 Prozent und Slowenien mit 15,5 Prozent die niedrigsten Anteile. Am höchsten waren die Quoten in Bulgarien mit 29,0 Prozent, Griechenland mit 27,5 Prozent und Rumänien mit 27,4 Prozent.

Die Statistik umfasst mehr als niedrige Einkommen. Der als AROPE bezeichnete Indikator zählt Menschen, auf die mindestens eines von drei Merkmalen zutrifft: ein Einkommen unterhalb der nationalen Armutsgefährdungsschwelle, erhebliche materielle und soziale Entbehrungen oder ein Haushalt mit sehr geringer Erwerbsbeteiligung. Wer mehrere dieser Bedingungen erfüllt, wird im Gesamtwert nur einmal erfasst. Die Quote von 11,5 Prozent darf deshalb nicht mit der engeren, ausschließlich einkommensbezogenen Armutsgefährdungsquote gleichgesetzt werden.

Bei der Einkommenskomponente liegt die Schwelle bei 60 Prozent des nationalen mittleren verfügbaren Einkommens nach Sozialleistungen, unter Berücksichtigung der Haushaltsgröße. Wie Eurostat zur Methode erläutert, misst diese Größe niedrige Einkommen im Verhältnis zu anderen Einwohnern desselben Landes. Sie ist kein unmittelbarer Vergleich des materiellen Lebensstandards zwischen den Staaten. Auch die niedrige tschechische Gesamtquote bedeutet daher nicht, dass finanzielle Schwierigkeiten verschwunden sind. Über die Platzierung Tschechiens und die Grenzen solcher Vergleiche haben wir bereits im Beitrag vom 10. Mai berichtet.

Auf europäischer Ebene soll die Armutsbekämpfung stärker gebündelt werden. Am 6. Mai verabschiedete die EU-Kommission ihre erste EU-Strategie zur Armutsbekämpfung. Sie soll zum EU-Ziel beitragen, die Zahl der von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedrohten Menschen bis 2030 um mindestens 15 Millionen zu senken. Zu den Schwerpunkten gehören bezahlbares Wohnen, der Zugang zu Beschäftigung, die Bekämpfung von Armut trotz Erwerbstätigkeit und die Unterstützung von Kindern. Das Paket enthält außerdem einen Vorschlag für eine Ratsempfehlung gegen den Ausschluss vom Wohnungsmarkt. Eine niedrige nationale Quote ersetzt solche Hilfen nicht: Sie beschreibt den Anteil Betroffener, nicht die Schwere ihrer individuellen Notlage.