Tschechien beschließt Armeeplan – Pavel warnt vor Lücken
Prag. Tschechien will seine Armee bis 2040 modernisieren und mehr Soldaten gewinnen. Die Regierung hat das neue Konzept am Montag beschlossen, Präsident Petr Pavel hält es jedoch für nicht realistisch, wie ČT24 berichtet. Aus seiner Sicht reichen die Pläne nicht aus, damit die Streitkräfte das Land verteidigen und ihre Verpflichtungen gegenüber den Nato-Partnern erfüllen können.
Pavel nahm an der Kabinettssitzung teil, bei der auch der langfristige Verteidigungsausblick bis 2045 beschlossen wurde. Der Präsident räumte ein, dass die Regierung neben der Verteidigung weitere Aufgaben finanzieren müsse. Vergleichbare Probleme hätten aber auch die Verbündeten, die dennoch höhere Verteidigungsausgaben unterstützten. Die Verantwortung für die Sicherheit des Landes liege bei der Regierung. Die Armee könne nur mit den Mitteln planen, die ihr die Politik zur Verfügung stelle.
Das beschlossene Konzept sieht bis 2030 mindestens 32.000 Berufssoldaten und 10.000 Angehörige der aktiven Reserve vor. Bis 2040 soll die aktive Reserve auf 15.000 Menschen wachsen. Zu den Schwerpunkten gehören die Modernisierung mechanisierter Einheiten, die Luftverteidigung und die Abwehr von Drohnen. Auch Logistik, medizinische Versorgung und Materialvorräte sollen gestärkt werden. Ministerpräsident Andrej Babiš bezeichnete die Luft- und Drohnenabwehr als höchste Priorität.
Wie groß der Nachholbedarf ist, machte Generalstabschef Miroslav Hlaváč bei der Vorstellung des Konzepts deutlich. Nach seinen Angaben erfüllt Tschechien derzeit rund 70 Prozent der militärischen Fähigkeitsziele der Nato nicht vollständig. Etwa die Hälfte dieser Vorgaben werde teilweise verfehlt, die andere Hälfte gar nicht erfüllt. Hlaváč begründete das mit der langjährigen Unterfinanzierung und den gestiegenen Anforderungen des Bündnisses, insbesondere an die Luftverteidigung.
Bis 2030 will sich die Armee zunächst auf mehr Personal, eine höhere Einsatzbereitschaft und die dringendsten Lücken konzentrieren. Ein umfassenderer Ausbau ist für die Jahre 2031 bis 2035 vorgesehen, sofern die Verteidigungsausgaben entsprechend steigen. Bis 2040 soll der Umbau abgeschlossen sein. Die Armee betont selbst, dass das Tempo von den verfügbaren Mitteln abhängt. Über die Debatte um Tschechiens Verteidigungsausgaben hatten wir bereits im Mai berichtet.