Prag: Jeder vierte Einwohner hat ausländische Staatsangehörigkeit
Prag. Rund jeder vierte Einwohner der tschechischen Hauptstadt hat eine ausländische Staatsangehörigkeit. Zwischen 2001 und 2024 stieg die Zahl dieser Menschen von 61.000 auf 354.000 und hat sich damit nahezu versechsfacht. Das geht aus einer neuen Studie des Prager Instituts für Planung und Entwicklung (IPR Praha) hervor.
Während die Zahl der Einwohner mit tschechischer Staatsangehörigkeit langfristig stagniert oder leicht zurückgeht, wächst Prag vor allem durch Zuwanderung. Nach Einschätzung der Studienautoren würde die Hauptstadt ohne den Zuzug aus dem Ausland auf längere Sicht Einwohner verlieren. Bis 2050 könnten mehr als 600.000 Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit in Prag leben.
Die größte Gruppe bilden Menschen aus der Ukraine. Ihre Zahl stieg im Zusammenhang mit dem russischen Angriffskrieg 2022 stark an. Ende 2024 lebten rund 168.000 ukrainische Staatsangehörige in Prag. Sie stellten damit fast die Hälfte der ausländischen Bevölkerung. Es folgten Menschen aus der Slowakei mit etwa neun Prozent, aus Russland mit sieben Prozent und aus Vietnam mit 4,5 Prozent.
Die Zuwanderung beeinflusst auch die Altersstruktur. Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit sind im Durchschnitt 35,5 Jahre alt, während das Durchschnittsalter der gesamten Prager Bevölkerung bei knapp 42 Jahren liegt.
Zugleich spielen sie eine wichtige Rolle auf dem Arbeitsmarkt. Sie sind sowohl in hoch qualifizierten Berufen als auch im Baugewerbe, Handel, Gastgewerbe und Dienstleistungssektor beschäftigt.
Nach Angaben des IPR leben die meisten ausländischen Einwohner über das gesamte Stadtgebiet verteilt. Die räumliche Trennung verschiedener Bevölkerungsgruppen sei insgesamt weiterhin gering.
IPR-Direktor Ondřej Boháč sieht die langfristige Herausforderung vor allem in der Stadtplanung. Da auch die zugewanderten Menschen älter werden, müsse Prag ausreichend Wohnungen, Schulen, Dienstleistungen und Infrastruktur für eine wachsende und vielfältigere Bevölkerung bereitstellen.