Ist das die neue Hymne von Ostdeutschland?
Schnelle Beats, dröhnende Bässe und volle Tanzflächen: Hardtekk ist vor allem im Osten Deutschlands zu einer beliebten Musikrichtung geworden. Doch die Szene hat nicht nur mit Musik zu tun. Vorurteile über Rechtsextremismus und Drogen gehören ebenso zu ihrem Image. Um herauszufinden, was wirklich dahintersteckt, besucht der YouTuber Tomatolix die beiden DJs Phiesi und Marvin in Zwickau. Gemeinsam produzieren sie einen eigenen Track, den sie später auf einer Party in Berlin live spielen.
Mehr als nur laute Musik
In Zwickau trifft Tomatolix die beiden DJs in ihrer Wohnung, in der sich auch ihr Musikstudio befindet. Dort verbringen sie viel Zeit mit dem Produzieren eigener Tracks. Für Phiesi und Marvin ist Hardtekk längst mehr als ein Hobby. Sie treten regelmäßig auf und versuchen, ihre Leidenschaft zum Beruf zu machen.
Dabei klingt die Musik für Außenstehende zunächst vielleicht ungewohnt. Einer der DJs erklärt jedoch, dass man Hardtekk am besten im richtigen Umfeld erlebt: „Ich denke, keinem hat's beim ersten Mal geschmeckt, aber vielleicht kommt man irgendwann auf den Geschmack“.
Die Szene bietet außerdem eine Gemeinschaft, in der sich Menschen miteinander verbunden fühlen. Das zeigt sich besonders beim Tanzen und auf den Partys, bei denen die Musik Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen zusammenbringt.
Leben im Osten: Zwischen Realität und Vorurteilen
Auch die Lebensbedingungen in Ostdeutschland sind Thema der Reportage. In Zwickau fallen dem Besucher leer stehende und teilweise verfallene Gebäude auf. Gleichzeitig sind Wohnungen im Vergleich zu größeren Städten wie Köln günstiger.
Doch es geht nicht nur um die wirtschaftliche Situation, sondern auch um gesellschaftliche Probleme. Marvin berichtet, dass er nach seinem Umzug in den Osten rassistische Erfahrungen gemacht hat. In der Schule sei er wegen seiner Hautfarbe gemobbt worden, auch im Alltag habe es immer wieder rassistische Bemerkungen gegeben.
Trotzdem möchte er die Region nicht pauschal verurteilen. Über die politische Situation sagt er: „Man trifft auch sehr viele liebe Menschen, aber es ist natürlich trotzdem ein ernsthaftes Problem“. Damit macht er deutlich, dass persönliche Erfahrungen und Vorurteile nicht immer dasselbe sind.
Drogen in der Hardtekk-Szene
Ein weiteres Thema ist der Drogenkonsum, der in Teilen der Szene verbreitet ist. Auch Phiesi und Marvin berichten offen über ihre Vergangenheit. Einer von ihnen erzählt, dass er als Jugendlicher Crystal Meth konsumiert habe und dadurch in eine schwierige Lebensphase geraten sei. Schließlich habe er erkannt, dass es so nicht weitergehen könne.
Heute sehen die beiden die Musik auch als Möglichkeit, Abstand von dieser Vergangenheit zu gewinnen. Gleichzeitig gibt es auf Partys zunehmend Awareness-Teams, die sich um Menschen kümmern, denen es nicht gut geht. Die Reportage zeigt damit, dass Drogen zwar ein Teil der Problematik sind, die Szene aber nicht allein darauf reduziert werden kann.
Zwischen rechter Musik und einem offenen Treffpunkt
Hardtekk wird im Internet teilweise mit rechten Symbolen und politischen Botschaften in Verbindung gebracht. Auch in der Reportage wird diese Verbindung kritisch hinterfragt. Ein DJ erklärt, dass manche Menschen den harten Klang der Musik für ihre eigenen politischen Botschaften nutzen würden, obwohl das nicht die Absicht der Künstler sei.
Er beschreibt die Werte der Szene stattdessen mit den Worten: „Toleranz, Diversität, Freiheit und einfach, dass jeder hierherkommen kann und tanzen kann und einfach frei sein kann“.
Auch Besucher der Berliner Party betonen, dass sie sich dort respektiert und angenommen fühlen. Für sie ist es wichtig, feiern zu können, ohne verurteilt oder zu etwas gedrängt zu werden. Die Reportage zeigt dadurch, dass die Hardtekk-Szene unterschiedliche Menschen vereint und nicht mit einer einzigen politischen Haltung gleichgesetzt werden kann.
Vom Studio auf die Tanzfläche
Neben den gesellschaftlichen Themen steht auch die Musikproduktion im Mittelpunkt. Gemeinsam mit Phiesi und Marvin entwickelt Tomatolix einen eigenen Hardtekk-Track. Dabei lernt er, wie sich Bässe, Melodien und Effekte zu einem fertigen Stück zusammensetzen.
Anschließend geht es nach Berlin, wo die beiden DJs auftreten und der gemeinsame Track zum ersten Mal live gespielt wird. Die Stimmung ist ausgelassen, das Publikum tanzt und feiert. Nach dem Auftritt fällt das Fazit positiv aus: Die Crowd habe viel Energie gezeigt und die Performance sei ein voller Erfolg gewesen.
Für Tomatolix wird dadurch verständlicher, warum Hardtekk für viele Menschen so wichtig ist. Die Musik schafft nicht nur eine Möglichkeit, den Alltag hinter sich zu lassen, sondern auch Begegnungen und ein Gefühl von Zusammengehörigkeit.
Was sagt die Hardtekk-Szene über Ostdeutschland aus?
Die Reportage zeigt, dass Hardtekk mehr ist als schnelle Beats und laute Partys. Hinter der Musik stehen Menschen mit persönlichen Geschichten, schwierigen Erfahrungen und dem Wunsch nach Gemeinschaft. Gleichzeitig werden gesellschaftliche Probleme wie Rassismus, Rechtsextremismus und Drogenkonsum nicht ausgeblendet.
Doch ist Hardtekk wirklich die neue Hymne von Ostdeutschland? Die Szene ist sicherlich nicht repräsentativ für die gesamte Region. Sie zeigt aber eine Seite Ostdeutschlands, die in öffentlichen Debatten häufig zu kurz kommt. Statt sich nur auf Vorurteile zu konzentrieren, lohnt es sich, genauer hinzuschauen und die Menschen hinter der Musik kennenzulernen.
Dies war allerdings erst die dritte Folge der Serie „INSIDE: WILDER OSTEN“. In den nächsten Folgen werden wir weitere Einblicke in die Lebensrealität Ostdeutschlands bekommen. Am Ende wollen wir dann beurteilen, wie gut Tomatolix den Osten mit seiner Dokumentation tatsächlich getroffen hat und ob seine Darstellung die Lebensrealität der Menschen dort widerspiegelt.