Die Stelzenfestspiele bei Reuth eröffnen ihrem Publikum eine neue Dimension. Bei der 33. Ausgabe des Kultfestivals im Dreiländereck von Bayern, Sachsen und Thüringen kann der Gast mit einer Kuh plaudern. Sie steht in einem Stall im benachbarten Rothenacker und ist per Echtzeit-Installation mit dem Festival verbunden. Käthe hat eine Kappe mit Messpunkten auf den Kopf, mit deren Hilfe ihre Hirnströme gemessen werden. Zuvor wurde eine Künstliche Intelligenz mit allem Wissenswerten über Kühe im Allgemeinen und Käthe im Speziellen gefüttert.
Käthe entschlossen: «Jetzt reicht es mir im Maul»
Auch bei der Frage nach Außerirdischen ist Käthe nicht verlegen. «Ich kenne eher nahe Körper: Fell, Fliegen, Metall, Stallatem (...) Ob da draußen noch andere Wesen gehen, weiß ich nicht, aber ihr Menschen seid mir schon fremd genug.» Ob sie denn Käse essen würde, fragt eine Frau: «Ich fresse Pflanzen, Mensch! Gras, Heu, Wasser, Salz. Milch ist für mich erst Körper und Kalb, Druck und Entlastung, nicht ein Menschenstück für den Mund. So, jetzt reicht es mir im Maul.» Nach vier Minuten beendet Käthe den poetischen Small Talk. Möglichst viele Gäste sollen die Gelegenheit zum Gespräch haben.
«Stall-Geflüster» ist ein künstlerisches KI-Projekt
Das Projekt «Stall-Geflüster» wurde von einem Team um Michel Schneider und Martin Jehnichen konzipiert. Michel Schneider, Sohn von Festspielintendant Henry Schneider, kommt aus der freien Kunstszene und hat sich auf digitale Kunst spezialisiert. Seit einigen Jahren ist er in puncto KI unterwegs. Er habe seinem Vater viel davon erzählt und der sei neugierig geworden. Irgendwann sei die Idee mit der Kuh entstanden, schließlich hätten die Stelzenfestspiele schon zuvor eine Verbindung zum Stall in Rothenacker gehabt.
Martin Jehnichen hat nach eigenem Bekunden unterdessen auch ohne die Sprachübersetzung eine Verbindung zu Käthe aufgebaut. «Mir ist sie inzwischen wirklich ans Herz gewachsen. Ich habe das Gefühl, ich verstehe sie.» Er versuche, ihre Denkweise aufzunehmen und einen Perspektivenwechsel vorzunehmen, erklärte Jehnichen. «Das macht mir Freude. Manchmal unterhalte ich mich einfach zwischendurch mit ihr.»