Schluchzend betritt die kleine Frau in Handschellen den Gerichtssaal, hält sich eine Mappe vors Gesicht. Doch bei ihren Geschäften im Rotlichtmilieu soll die Vietnamesin wenig zimperlich gewesen sein. Laut Anklage hat die 48-Jährige die Not von illegal in Deutschland lebenden Landsfrauen ausgenutzt, um sie als Prostituierte in Wohnungsbordellen auszubeuten. Von der Zentrale in Halle/Saale aus soll sie mit ihren drei Helfern ein Bordellnetz in mindestens 19 Städten in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Niedersachsen betrieben haben.
«Sie war die Chefin, die alle wesentlichen Entscheidungen traf», sagt Oberstaatsanwalt Wolfgang Klein beim Verlesen der Anklage am Landgericht Chemnitz. Die drei mitangeklagten Männer hätten sich um den praktischen Teil gekümmert wie etwa Wohnungen angemietet, Anzeigen in einschlägigen Internetportalen geschaltet und die Frauen abkassiert.