Der Corona-Lockdown hat nach Einschätzung von Experten für viele Kinder und Jugendliche Sprachprobleme verschärft. Einerseits sei es durch die zeitweise Schließung von Schulen und Kindergärten erschwert gewesen, Störungen der Sprach- und Sprechentwicklung zu erkennen, sagte die Direktorin der Klinik für Phoniatrie am Universitätsklinikum Münster, Katrin Neumann, am Montag bei einem Symposium in Thalheim (Erzgebirgskreis). Andererseits hätten Lockdown und Quarantänen Therapien beim Logopäden behindert und hinausgezögert. Dabei sei gerade das häufige Training und die Wiederholung wichtig, um Sprachmuster zu verändern.
«Je länger so eine Störung besteht und je später sie behandelt wird, desto größer ist die Gefahr einer Fixierung und umso ineffektiver werden die Therapien», betonte die Expertin. Für die Entwicklung sprachlicher Kompetenzen müssten Kinder zudem viel mit Gleichaltrigen sprechen. Hierbei hätten sich das Homeschooling und die Einschränkung sozialer Kontakte negativ ausgewirkt. Insgesamt liege der Anteil der Kinder mit Sprachentwicklungsstörungen, die vor allem genetisch bedingt seien, bei sieben bis acht Prozent. Verfestigten sich solche Störungen, könnten mehr stationäre Therapien notwendig werden, so Neumann.