Nach der Aussage der verurteilten Rechtsterroristin Beate Zschäpe vor dem bayerischen NSU-Untersuchungsausschuss Ende Mai hat der Landtag nun das Wortprotokoll der nicht-öffentlichen Sitzung veröffentlicht. Bislang war lediglich durch Berichte der Abgeordneten und von Zschäpes Anwalt bekannt, dass Zschäpe eine Mitschuld an der Mordserie des «Nationalsozialistischen Untergrunds» (NSU) deutlich wie nie eingeräumt hat. Manche Beobachter halten dies für ein taktisches Manöver: um irgendwann Lockerungen im Strafvollzug und die Teilnahme an einem Aussteigerprogramm zu erreichen, wenn sie Reue zeigt.
«Ich bin mitschuldig an den Morden», sagte Zschäpe laut Wortlautprotokoll. «Auch wenn ich nicht abgedrückt habe, habe ich sie geduldet.» Hätte sie sich rechtzeitig gestellt, «wäre die Serie vorbei gewesen», sagte Zschäpe. «Ich habe es nicht getan, und deswegen bin ich genauso schuldig, als ob ich abgedrückt habe.»
Der «Nationalsozialistische Untergrund» war eine Terrorzelle, bestehend aus Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt, die von 2000 an jahrelang unerkannt zehn Morde in ganz Deutschland verübte, fünf davon in Bayern. Ihre Opfer waren neun Gewerbetreibende türkischer und griechischer Herkunft sowie eine deutsche Polizistin. Mundlos und Böhnhardt verübten zudem zwei Bombenanschläge in Köln mit Dutzenden Verletzten. Die beiden töteten sich 2011, um ihrer Festnahme zu entgehen - erst damit war der NSU aufgeflogen. Zschäpe, die einzige Überlebende des Trios, wurde 2018 nach mehr als fünf Jahren Prozessdauer zu lebenslanger Haft verurteilt - als Mittäterin, auch wenn es keinen Beweis gibt, dass sie selbst an einem Tatort war.