Nach dem Terrorangriff der islamistischen Hamas und anderer extremistischer Gruppen auf Israel hat sich auch für die Jüdische Gemeinde in Potsdam das Leben grundlegend verändert. «Viele Gemeindemitglieder haben Angst, dass irgendetwas passieren kann», berichtete der Vorsitzende Jewgeni Kutikov am Montag auf einem Fachkongress zum Antisemitismus in Potsdam. «Jetzt haben wir Angst davor, dass wir von einem antisemitischen Mörder angegriffen werden könnten.» Der Vorstand habe die Sicherheitsvorkehrungen für die Gemeinderäume massiv erhöht und stehe im ständigen Kontakt mit der Polizei, sagte Kutikov. «Wir wünschen uns mehr Sicherheit, aber wir sind einigermaßen geschützt.»
Gianna Marcuk vom Vorstand der Jüdischen Gemeinde in Rostock berichtete von ähnlichen Erfahrungen. «Ich bin in der ehemaligen Sowjetunion aufgewachsen und war mein Leben lang mit Antisemitismus konfrontiert», sagte sie. «In Deutschland konnte ich erstmals stolz auf mein Judentum sein - und jetzt soll ich mich wieder verstecken?» Die Rostocker Gemeinde wolle das auf keinen Fall, betonte sie: «Wir sind als Aktivisten gegen Antisemitismus in der Stadt bekannt und wir machen weiter!» Dabei erfahre ihre Gemeinde von den christlichen Kirchen große Unterstützung.