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Marcant: Der YouTuber, der Rechtsextremismus den Dialog entgegensetzt

Marcant: Der YouTuber, der Rechtsextremismus den Dialog entgegensetzt
Symbolbild Social Media / pixabay kreatikar
Von: Lukas Breuer
Marcant ist 23, studiert Jura – und geht regelmäßig auf rechtsextreme Demos, um mit den Menschen dort zu reden. Sein YouTube-Kanal wächst schneller als jeder andere politische Kanal im deutschsprachigen Raum. Im April 2026 wurde er mit der Theodor-Heuss-Medaille ausgezeichnet.

Er ist Anfang 20, studiert Jura, und geht regelmäßig dorthin, wo es, wie er selbst sagt, „wehtut": auf AfD-Veranstaltungen, Neonazi-Kundgebungen und rechtsextreme Demos. Sein Name ist Marc – bekannt unter dem Pseudonym Marcant. Seinen Nachnamen hält er aus Sicherheitsgründen öffentlich zurück. Seinen Einfluss kann er dagegen kaum mehr verstecken.

Wer ist Marcant?

Marcant ist seit 2021 auf Social Media aktiv und hat sich zunächst kritisch mit rechtsextremen Inhalten auf TikTok und YouTube auseinandergesetzt. Anfang 2025 begann er damit, persönlich auf Kundgebungen zu gehen – Mikrofon und Kamera in der Hand, mit dem Ziel, ins Gespräch zu kommen. Nicht um zu provozieren, sondern um zu verstehen und Fragen zu stellen:

  • Warum bist du hier?
  • Woher kommen deine Informationen?
  • Könnte man das auch anders sehen?

Was dabei entsteht, sind keine reißerischen Konfrontationsvideos, sondern sachliche, oft erschreckend nüchterne Gespräche – aufbereitet mit schnellen Schnitten, Quellenangaben und einer guten Portion Humor. Das Publikum dankt es ihm: Hunderttausende folgen ihm auf seinen Kanälen, seine Beiträge erreichen Millionen. Sein YouTube-Kanal gilt als der am schnellsten wachsende politische Kanal im deutschsprachigen Raum.

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Die Methode: Zuhören statt Brüllen

Was Marcant von vielen anderen politischen Creators unterscheidet, ist sein Ton. Er geht nicht hin, um zu gewinnen. Er geht hin, um zu reden. „Für die Leute, die ich da irgendwie rausholen kann", sagt er – und meint das ernst. Über 500 junge Menschen sollen laut Marcant aufgrund seiner Gespräche und Videos die rechte Szene verlassen haben. Einer von ihnen ist Felix, 16 Jahre alt, den Marcant im April 2025 auf einer Berliner Demo traf. Fünf Monate später meldete sich Felix erneut: Das Interview hatte ihm, wie er sagte, die Augen geöffnet.

Dass er dabei physisch auffällt – Marcant ist rund 2,10 Meter groß –, macht die Situation nicht weniger skurril: Ein Riese, der auf Menschen zugeht, die ihn teils hassen, und sachlich nachfragt. Anna-Lena von Hodenberg, Geschäftsführerin von HateAid, beschreibt es in einem vielbeachteten LinkedIn-Post treffend:

„Er schaut qua Größe von oben auf die Menschen herab – aber er ist nicht herablassend. Er spricht auf Augenhöhe, aber mit sehr klarer Haltung."

Anna-Lena von Hodenberg, Geschäftsführerin HateAid

Nicht alle wollen mit ihm reden. Manche erkennen ihn und weichen aus. Andere, die ihn zunächst als Feind betrachten, kommen dennoch ins Gespräch. Und manchmal verändert genau das etwas.

Die Auszeichnung: Theodor-Heuss-Medaille 2026

Im April 2026 wurde Marcant mit der Theodor-Heuss-Medaille ausgezeichnet – eine der renommiertesten demokratischen Ehrungen Deutschlands, vergeben von der überparteilichen Theodor-Heuss-Stiftung. Die Stiftung würdigt damit sein „herausragendes demokratiepolitisches Engagement im Kampf gegen Rechtsextremismus" – trotz massiver persönlicher Bedrohungen.

In seiner Dankesrede zog Marcant eine klare Linie: Die Jugend sei entscheidend dafür, ob Deutschland wieder im Faschismus oder in einer offenen Gesellschaft lande. Sein Credo, das seitdem viel zitiert wird:

„Wir müssen diese Demokratie verteidigen – mit Bildung, Büchern und Barrikaden."

Marcant, Dankesrede zur Theodor-Heuss-Medaille 2026

Von Hodenberg, die ihm die Medaille überreichte, bezeichnete ihn als „unerschrocken, aber nicht leichtsinnig" – und ergänzte mit einem Unterton ernster Sorge: Was er tue, sei „fast ein bisschen lebensmüde".

Warum Marcant wichtig ist

In einer Zeit, in der rechte Content-Creator auf TikTok und YouTube die Erstwähler dominieren, füllt Marcant eine Lücke, die lange niemand geschlossen hat. Er spricht die Sprache junger Menschen, er ist dort, wo sie sind – online wie auf der Straße. Und er zeigt, dass demokratische Gegenwehr nicht laut, nicht aggressiv und nicht aus dem Elfenbeinturm kommen muss.

Wer Marcant noch nicht kennt: Seine Videos auf YouTube, Instagram und TikTok sind ein guter Einstieg. Und wer verstehen will, wie Deradikalisierung in der Praxis aussieht – nicht als Konzept, sondern als Gespräch zwischen zwei Menschen auf einer Demo –, findet dort Antworten.

Marcant – Social Media & Kanäle

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Lukas Breuer
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Lukas Breuer

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