Dresden. Über 8.000 neue Arbeitsplätze, knapp 17.000 zusätzlich erwartete Menschen – und eine Straßenbahn, die frühestens in den 2030er-Jahren gebaut wird: Der Dresdner Norden wächst durch die Chipindustrie rasant, doch die Verkehrsanbindung kommt nur langsam hinterher. Zum Baustart an der Königsbrücker Straße hat die Stadtspitze am Dienstag ihre Pläne vorgestellt – und dabei deutlich gemacht, wie viel davon gar nicht in ihrer eigenen Hand liegt. Kern sind zwei Vorlagen, über die der Stadtrat voraussichtlich am 26. November entscheidet: das „Verkehrs- und Mobilitätskonzept Nordraum" und die Verlängerung der Straßenbahnlinie 8.
Über 8.000 neue Arbeitsplätze und deutlich mehr Verkehr
Die Zahlen dahinter sind beträchtlich. Die Stadt rechnet mit rund 8.000 zusätzlichen Arbeitsplätzen, davon etwa 6.300 im Dresdner Norden bei ESMC und Infineon, durch Neuansiedlungen und Erweiterungen bestehender Firmen. Weil viele Beschäftigte mit ihren Familien kommen, werden insgesamt knapp 17.000 Menschen erwartet. Davon dürften nach heutiger Annahme knapp 5.000 in Dresden wohnen, rund 12.000 pendeln. Die Folgen reichen weit über den Verkehr hinaus: Es braucht Wohnungen, Schul- und Kitaplätze.
Linie 8: 54 Millionen Euro, aber die Endhaltestelle liegt am Bosch-Werk
Größtes Einzelprojekt ist die Verlängerung der Linie 8 von Hellerau bis zum Airportpark. Für rund 54 Millionen Euro soll die Strecke um 1.800 Meter wachsen, mit zwei neuen Haltepunkten und damit vier barrierefreien Haltestellen. Ein Haken: Die Endhaltestelle liegt in der Nähe des Bosch-Werks. Bis zum neuen ESMC-Werk bleiben einige Hundert Meter zu überbrücken. Verkehrsbürgermeister Kühn setzt hier auf „innovative Angebote für die letzte Meile" wie Leihräder und Shuttlebusse. Bis GlobalFoundries reicht die Bahn nicht, doch: „Die Strecke für eine Verlängerung zu Globalfoundries wird für die Zukunft offengehalten", so Kühn.
Auch die Finanzierung steht noch nicht. Die Stadt hofft auf mehr als 33 Millionen Euro Förderung; nach Abzug der Anteile weiterer Beteiligter müssten Stadt und DVB rund 16,2 Millionen Euro selbst aufbringen. Und der Zeithorizont ist weit: „Ein Baubeginn ist in diesem Jahrzehnt nicht mehr zu erwarten", sagte Kühn. Wann die Bahn fährt, ist also offen.