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Dresden: Beim Carolabrücken-Streit hält das Architekturbüro GRASSL dagegen

Eine architektonische Visualisierung zeigt einen breiten, begehbaren Bereich einer Brücke, den sogenannten Stadtbalkon. Menschen stehen oder sitzen auf der Fläche und blicken auf die historische Altstadt-Silhouette von Dresden.
Debatte um die Carolabrücke: Das Expertengremium sieht bis zu 30 Millionen Euro Sparpotenzial durch den Verzicht auf Fahrspuren. Das Ingenieurbüro Grassl betont dazu, dass diese Entscheidung beim Stadtrat liegt. Visualisierung: GRASSL
Von: Cornelius de Haas
Im Streit um die Kosten der neuen Carolabrücke meldet sich nun ausgerechnet das Büro mit dem niedrigsten Preis zu Wort – und verteidigt seine Kalkulation Position für Position. Die Spar-Idee der Experten, die Brücke schmaler zu bauen, weist Grassl zurück: Mit vier Fahrspuren sei das kaum vereinbar.

Dresden. Bis zu 30 Millionen Euro könnte Dresden beim Bau der neuen Carolabrücke sparen. Nur entscheidet das nicht das Planungsbüro - sondern der Stadtrat. Genau darauf weist nun ausgerechnet jenes Büro hin, das am günstigsten geplant hat.

Ausgelöst hatte die Debatte ein offener Brief des Expertengremiums um Prof. Steffen Marx von der TU Dresden, datiert auf den 7. Juli. Er ging nicht nur an Oberbürgermeister Dirk Hilbert und die Stadtratsfraktionen, sondern ausdrücklich auch an die Medien und die vier Planerteams - und eines von ihnen meldet sich nun zu Wort: das Ingenieurbüro Grassl. Die an Marx gerichtete Antwort wiederspricht der eigentlichen Empfehlung des Gremiums dabei bemerkenswerterweise nicht. Es sortiert nur, wer sie umsetzen müsste.

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Carolabrücke: Was die Experten wirklich vorschlagen

In ihrem Brief mahnen die Fachleute zunächst zur Versachlichung: Die Kostenschätzungen der vier Teams ließen sich wegen unterschiedlicher Methoden und geringer Planungstiefe kaum direkt vergleichen; in der frühen Vorplanung seien Abweichungen von rund 30 Prozent normal. Über einheitliche Kennwerte ordnet das Gremium die Entwürfe dennoch ein - und warnt, dass Inflation und die weitere Detailplanung den Kostenrahmen sprengen könnten. Zudem binde jede zusätzliche Brückenfläche die Stadt über Jahrzehnte an höhere Unterhaltskosten.

Ihr Vorschlag ist dabei präzise: nicht eine schmalere Brücke, sondern eine Reduzierung der Anzahl der Fahrspuren. Das senke die Baukosten sofort um etwa 25 bis 30 Millionen Euro - und sei bei allen vier Entwürfen möglich, ohne die Konzepte grundlegend zu verändern. Bislang sehen die Planungen vier Fahrstreifen für den Autoverkehr vor.

Warum Grassl auf die Politik verweist

Hier setzt das Antwortschreiben an - an einer feinen, aber entscheidenden Stelle. Grassl argumentiert, die Breite der Brücke ergebe sich unmittelbar aus eben diesen vier vorgegebenen Fahrstreifen plus den nötigen Sicherheitsräumen. Wer den Querschnitt verschmälere, aber an allen vier Spuren festhalte, unterschreite zwangsläufig die Anforderungen an Verkehrsflächen und Sicherheit.

Das ist fachlich unstrittig - widerlegt die Experten aber nicht, sondern bestätigt sie der Sache nach: Wenn schon die vier Spuren die Breite bestimmen, lässt sich am Bauwerk erst sparen, wenn eine Spur wegfällt. Und ob sie wegfällt, ist keine Frage der Statik, sondern der Auslobung - also eine politische Entscheidung. Grassl reicht den Ball damit sauber an Stadtrat und Verwaltung zurück: Wollt ihr wirklich vier Spuren?

5.518 Euro pro Quadratmeter: der Streit um den günstigsten Preis

Dass das Büro so selbstbewusst auftritt, hat mit seiner Kalkulation zu tun. Allein das Brückenbauwerk samt Tragwerk und Stützwänden beziffert Grassl auf rund 75,5 Millionen Euro brutto - 5.518 Euro pro Quadratmeter Brückenfläche und damit der niedrigste Wert im Feld. Zum Vergleich: Das Gremium verortet Schüßler-Plan bei rund 6.500 Euro, die Entwürfe von FHECOR und Leonhardt, Andrä und Partner (LAP) bei 8.000 bis 8.500 Euro.

Der günstige Preis, betont Grassl, sei kein Rechentrick, sondern das Ergebnis einer bewusst schlichten Stahlverbundkonstruktion: einfache, standardisierte Bauteile mit hohem Vorfertigungsgrad, komplett im Werk gefertigt und auf der Straße antransportiert. Teure Sonderlösungen anderer Großbrücken - mehrzellige Stahlkästen, orthotrope Fahrbahnplatten, aufwendige Schweißknoten oder Lehrgerüste im Hochwasserbereich - seien schlicht nicht nötig.

Ein echter Widerspruch bleibt

An einer Stelle stehen sich beide Seiten offenbar unversöhnlich gegenüber. Das Gremium geht davon aus, dass Grassls Entwurf - wie auch LAP und FHECOR - am Ende nahe an die städtische Preisobergrenze heranreicht; die auffällig niedrigen Zahlen erklärt es mit sehr knapp angesetzten Nebengewerken, etwa im Gleisbau. Grassl hält dagegen, mit dem eigenen Entwurf nur 65 Prozent der Obergrenze zu beanspruchen und damit bewusst Puffer für spätere Preissteigerungen zu lassen - ein Argument, das der Inflationssorge der Experten direkt begegnet. Zugleich bittet das Büro die Prüfer um Klarheit, ob die eigenen Ansätze im Gleisbau tatsächlich beanstandet oder doch bestätigt wurden. Diese Frage ist offen.

Wie es weitergeht

Bindend ist bislang nichts. Das Gremium hat den Entwurf von LAP zuletzt auf Platz eins gesetzt - als fachliche Orientierung, nicht als Beschluss. Über die Weiterbeauftragung entscheidet der Stadtrat am 3. September 2026. Bis dahin verdichtet sich die Debatte auf eine Frage, die weniger die Ingenieure als die Politik betrifft: wie viele Spuren die neue Carolabrücke wirklich braucht. Seit dem Teileinsturz am 11. September 2024 fehlt im Zentrum eine der wichtigsten Elbquerungen - und jeder Monat ohne Ersatz kostet die Stadt Zeit und Geld.

Cornelius de Haas
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Cornelius de Haas

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