Aus 38 Bewerbern gewählt: Dresdner Stadtschreiber 2027 steht fest
Dresden. Der Leipziger Schriftsteller Bertram Reinecke wird Dresdner Stadtschreiber 2027. Eine vom Stadtrat berufene Jury wählte ihn aus 38 Bewerbungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz aus. Von Juni bis November 2027 wird Reinecke in Dresden leben und arbeiten. Vergeben wird das Stipendium gemeinsam vom Amt für Kultur und Denkmalschutz und der Ostsächsischen Sparkasse Dresden.
Für Reinecke ist es eine Rückkehr: Schon 2014 verbrachte er als „Poet in Residence“ eine, wie es heißt, besonders intensive Schaffensphase in der Stadt.
Auf den Spuren der eigenen Familie
In seinem halben Jahr an der Elbe will der Autor ein gattungsübergreifendes Projekt zu seiner Familiengeschichte weiterentwickeln – ein Werk, das Gedichte, Essays, Erzählungen und fiktionale Sachprosa verbindet. Dafür will er historische Quellen aus der Stadt auswerten, unter anderem im Landeskirchlichen Archiv recherchieren, und die Erfahrungen seiner Familie mit den politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen des 20. Jahrhunderts literarisch verknüpfen.
Die Jury würdigt an Reineckes Werken, dass sie zugleich Entwürfe seien, „die die Möglichkeit von Erzählen überhaupt reflektieren und praktisch durchspielen“.
Stimmen zur Entscheidung
Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch hob hervor, dass sich Reinecke neben dem eigenen Schreiben intensiv für junge Autorinnen und Autoren einsetze, etwa durch Mentoring- und Schreibprojekte. Die konstant hohe Zahl an Bewerbungen zeige, welchen festen Platz das Stipendium im deutschsprachigen Literaturbetrieb habe.
Heiko Lachmann, Vorstand der Dresdner Stiftung für Kunst & Kultur der Ostsächsischen Sparkasse, verwies darauf, dass Dresden für Reinecke bereits einmal ein besonders produktiver Ort gewesen sei: „Wir sind gespannt, welche Texte und Perspektiven aus dieser erneuten Verbindung mit Dresden entstehen.“
Reinecke folgt auf Olga Martynova
Reinecke übernimmt den Posten von Olga Martynova, die 2026 Stadtschreiberin ist. Die in Leningrad aufgewachsene Autorin, die seit 2018 ausschließlich auf Deutsch schreibt, wurde 2012 mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis und zuletzt mit dem Peter-Huchel-Preis ausgezeichnet. Der Wechsel zeigt die Bandbreite des Stipendiums: von einer zwischen den Sprachen schreibenden Lyrikerin zu einem Autor, der Prosa, Lyrik und Essay verbindet.
Das Stipendium richtet sich an deutschsprachige Autorinnen und Autoren, die nicht in Dresden leben; neben einer mietfreien Wohnung umfasst es eine monatliche Förderung von 1.500 Euro.
Wer Bertram Reinecke ist
Reinecke wurde 1974 in Güstrow geboren. Nach einem Studium der Philosophie und Germanistik sowie künstlerischer und pädagogischer Arbeit in Greifswald zog er 2000 nach Leipzig und erwarb dort 2006 ein Diplom am Deutschen Literaturinstitut im Fach Prosa. 2009 gründete er den Verlag Reinecke & Voß. Er schreibt Prosa, Lyrik und Essays, verfasst Hörspiele und Textvorlagen für zeitgenössische Musik und wurde für seine Arbeit mehrfach mit Stipendien und Preisen ausgezeichnet.
Der Jury gehörten Vertreter der Dresdner Literaturszene, der Stiftung für Kunst & Kultur und der städtischen Kulturverwaltung an: Sylvia Kindelberger, Annett Groh, Claudia Zachow, Volker Sielaff, Axel Helbig, Aron Koban und Juliane Moschell.
Weitere Informationen unter www.dresden.de/stadtschreiber.