Immer mehr Männer suchen wegen häuslicher Gewalt in Schutzeinrichtungen Hilfe. Von 2022 bis einschließlich 2025 hat sich ihre Zahl bundesweit fast verdoppelt - von 421 auf 798, sagte Jana Peters von der Bundesfach- und Koordinierungsstelle Männergewaltschutz. Allerdings seien auch Mehrfachmeldungen möglich, wenn Betroffene in mehreren Häusern Schutz suchten. Ende September dieses Jahres standen insgesamt 15 Einrichtungen mit gut 50 Plätzen für Männer und bei Bedarf ihre Kinder bereit. Dazu kommen sechs spezialisierte Schutzeinrichtungen, die auch queere Menschen nutzen können. Nach Angaben von Peters stieg die Zahl der Schutzplätze im Zeitraum 2022 bis 2025 von 41 auf 52 an. Deshalb lasse sich auch nur ein leichter Anstieg der Betroffenenzahl verzeichnen. 2022 konnten 99 Männer in Schutzwohnungen einziehen, drei Jahre später waren es 128 Bewohner. Aus den Nutzungsstatistiken lasse sich ableiten, dass sich Abweisungen aufgrund von Platzmangel in den vergangenen vier Jahren vervierfacht haben. 2022 waren 61 Männer betroffen, im Jahr 2025 dann 230. «Männer berichten in Dunkelfeldstudien von allen bekannten Gewaltformen», betonte Peters. Etwa 60 Prozent der Bewohner hätten Gewalt in oder nach einer Partnerschaft geltend gemacht, 38 Prozent Gewalt in der Familie erlebt - durch Eltern, Geschwister oder andere Verwandte. Bei 5,5 Prozent sei das im «sozialen Nahraum» passiert - etwa durch Vermieter oder Mitbewohner in WGs. 60 Prozent der mutmaßlichen Täter seien weiblich, hieß es. Wenn Männer unmittelbar in der Partnerschaft Gewalt erfuhren, ging sie zu 93 Prozent von Frauen aus. Allerdings sind Frauen nach wie vor Hauptopfer häuslicher Gewalt. 2024 waren bei knapp 266.000 polizeilich registrierten Fällen 187.128 Frauen betroffen. Laut Mirko Luckau, der Männer in einer Schutzeinrichtung in Dresden begleitet, sind die Bewohner oft wegen psychischer Gewalt eingezogen. Andere hätten physische und soziale Gewalt erfahren. «Sie werden körperlich misshandelt und diskriminiert aufgrund ihrer Meinung, ihrer Haltung oder ihrer Ethnie (...). Leider suchen sie sich oft erst sehr spät Hilfe oder ergeben sich ihrem Schicksal.» In der Regel soll die Aufenthaltsdauer in der Schutzeinrichtung bei drei Monaten liegen, sie könne aber auch auf sechs Monate verlängert werden. «Die Männer, die sich an uns wenden, stehen oft mitten im Leben», sagte Luckau. Väter würden die Konflikte oft anders aushandeln. «Nur wenige trauen sich gemeinsam mit ihren Kindern den Weg in eine Schutzwohnung. Deren Lösungsstrategien sehen oft anders aus. Sie bleiben lange in den gewaltvollen Beziehungen und versuchen es auf eigene Faust zu klären.» Die Zugangswege zu den Männerschutzhäusern sind unterschiedlich. Laut Statistik kamen 2025 etwa 40 Prozent aus eigenem Antrieb, 21 Prozent wurden von Beratungsstellen vermittelt, 8,6 Prozent durch die Polizei. Eine breite Sensibilisierung der Öffentlichkeit und die Zusammenarbeit mit diversen Fachstellen sei absolut notwendig, genau wie eine sichere Finanzierung, hieß es weiter. Nach Angaben der sächsischen Sozialministerin Petra Köpping (SPD) nimmt Sachsen beim Gewaltschutz für Männer bundesweit eine Vorreiterrolle ein. Im Freistaat gebe es aktuell 14 Plätze. «Wir haben eine 75-prozentige Auslastung.» 50 Personen habe man aus Kapazitätsgründen im vergangenen Jahr leider abweisen müssen. Die Ministerin wies darauf hin, dass der Sächsische Landtag an diesem Mittwoch ein Gewalthilfegesetz beschließen will. Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten60 Prozent machen Gewalt in und nach einer Partnerschaft geltend
Frauen bleiben Hauptopfer häuslicher Gewalt
Betroffene Männer stehen oft mitten im Leben
Landtag beschließt Gewalthilfegesetz