Mit einem Forschungsprojekt soll Gewalt im Leipziger Thomanerchor seit 1945 aufgearbeitet werden. Ziel sei es, mit einem unabhängigen Expertenteam Erfahrungen mit Grenzverletzungen in Bezug auf körperliche, psychische oder sexualisierte Gewalt sichtbar zu machen und das Leid Betroffener anzuerkennen, teilte die Stadt Leipzig mit. Betroffene können in einem Online-Zeitzeugenportal der Universität Leipzig über ihre Erlebnisse berichten und Fragen zu ihrer Zeit im Thomanerchor beantworten. Untersucht werden soll, unter welchen institutionellen, pädagogischen und sozialen Bedingungen Grenzverletzungen möglich waren und welche Strukturen Übergriffe begünstigt haben. Ebenso soll betrachtet werden, wie innerhalb der damaligen Strukturen mit entsprechenden Erfahrungen und Hinweisen umgegangen wurde. Für Generationen ehemaliger Thomaner sei die Zeit im Chor mit prägenden Erinnerungen an Musik, Ausbildung, Freundschaften und Gemeinschaft verbunden, hieß es weiter. «Doch es ist auch bekannt, dass nicht alle Erlebnisse positiv waren. Der Thomanerchor und die Stadt Leipzig als seine Trägerin übernehmen mit der Studie Verantwortung dafür, auch diesen Teil seiner Geschichte in den Blick zu nehmen.» Finanziert wird die Aufarbeitungsstudie von der Stadt Leipzig und der Stiftung Thomanerchor. Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten