Peter Arnold: Wie Fürst Löwenstein den Kallmuth bewahrt
Wer den Homburger Kallmuth bewirtschaftet, braucht Geduld, Erfahrung und ein Gespür für die Eigenheiten eines besonderen Weinbergs. Die steilen Terrassen nahe Triefenstein im churfränkischen Maintal sind seit mehr als 400 Jahren im Besitz des Hauses Fürst Löwenstein. Ihre Trockenmauern erstrecken sich über insgesamt mehr als zwölf Kilometer. Einige sind nur rund 60 Zentimeter hoch, andere über vier Meter. Ein erheblicher Teil der Arbeiten muss von Hand erledigt werden. Das macht die Lage weinbaulich interessant, ihre Bewirtschaftung aber auch aufwendig und teuer. Peter Arnold ist für den Keller und den Betriebsablauf des Weinguts verantwortlich. Er kennt den Kallmuth aber nicht nur aus seiner heutigen Position: Hier hat er seine Ausbildung begonnen und später seine Diplomarbeit über die Lage geschrieben. Nach Stationen in Deutschland, Südafrika und Spanien kehrte er 2016 zu Fürst Löwenstein zurück. Für ihn schließt sich damit ein beruflicher Kreis.
Der Kallmuth liegt in einem geologischen Übergangsbereich vom oberen Buntsandstein zum unteren Muschelkalk. Durch Erosion und die Verlagerung von Gesteinsmaterial haben sich unterschiedliche Einflüsse überlagert. Die Böden und die steilen Terrassen prägen die Bedingungen, unter denen die Reben wachsen. Von den insgesamt etwa zwölf Hektar Terrassenfläche werden nach Arnolds Angaben derzeit noch sieben bis acht Hektar bewirtschaftet. Andere Flächen liegen brach oder werden umgestaltet. Neben den Kosten ist dafür auch der Arbeitskräftebedarf verantwortlich. Die Pflege der Mauern, die Arbeit am Rebstock und die Bewirtschaftung der steilen Parzellen lassen sich nur begrenzt mechanisieren.
Silvaner bildet einen Schwerpunkt der fränkischen Rebflächen, hinzu kommen Riesling und Sauvignon Blanc. Das Weingut ist allerdings nicht auf Franken beschränkt. Zum Besitz gehören auch Weinberge im Rheingau, darunter Lagen bei Hallgarten. Dort stehen vor allem Riesling und Spätburgunder. Flächen in Tauberfranken, das zum Anbaugebiet Baden gehört, gehören zwar zum Weingut, sind aber derzeit alle verpachtet. Damit muss Arnold in seinem Arbeitsalltag die Vorgaben dreier deutscher Anbaugebiete berücksichtigen. Unterschiedliche Formulare, Verfahren und administrative Anforderungen seien mitunter schwer nachvollziehbar, beklagt er.

Das Gespräch fand Ende September noch während der Weinlese statt. Arnold zeigt sich mit dem Jahrgang 2026 zum Aufnahmezeitpunkt zufrieden: Die Trauben seien gesund und ausreichend reif, erste Weine bereits durchgegoren. Auch die Säure der Grundweine für den Sekt stimme. Wie sich die Weine letztlich entwickeln würden, lasse sich zu diesem frühen Zeitpunkt allerdings noch nicht zuverlässig beurteilen.
Bei der Entscheidung über den Lesebeginn verlässt sich Arnold nicht allein auf Messwerte. Die Mostgewichte werden kontrolliert, entscheidend sei für ihn jedoch auch die sensorische Prüfung der Trauben. Er müsse beim Probieren einen bestimmten Geschmack erkennen, bevor er mit der Lese beginne. Früher habe das Weingut häufig später als die Nachbarbetriebe mit der Ernte angefangen, doch inzwischen werde dieses Zeitfenster kürzer.
Die Veränderungen lassen sich auch am Kalender ablesen. Zu Beginn seiner Laufbahn habe die Lese Anfang Oktober begonnen, erzählt Arnold. Heute könne sie je nach Jahr bereits Ende August anstehen. Zugleich müsse die Ernte in einem kürzeren Zeitraum bewältigt werden. Was früher vier bis fünf Wochen dauerte, muss mittlerweile häufig innerhalb von etwa drei Wochen abgeschlossen sein. Die klimatischen Veränderungen bereiten ihm deshalb Sorgen. Zwar hätten die Reben in den eigenen Lagen die Trockenheit zuletzt vergleichsweise gut überstanden. Im Kallmuth profitierten sie nach seiner Einschätzung unter anderem von unterirdischen Wasserläufen. Wie sich die Bedingungen langfristig entwickeln, sei jedoch offen. Silvaner komme mit den veränderten Verhältnissen bislang gut zurecht, auch Riesling bewähre sich. Welche Sorten künftig in welchen Regionen wachsen werden, lasse sich nicht sicher vorhersagen.
Vom Lehrling zum Betriebsleiter
Arnolds beruflicher Weg führte ihn nach der Ausbildung bei Fürst Löwenstein zunächst in weitere deutsche Weinbaubetriebe und anschließend nach Südafrika. Aus einem ursprünglich auf ein Jahr angelegten Aufenthalt wurden zwölf Jahre. In Franschhoek war er am Aufbau eines Weinkellers beteiligt. Danach ging er nach Spanien, wo er rund zehn Jahre in der Region Alicante an einem eigenen Weingutsprojekt arbeitete. Weitere berufliche Stationen führten ihn an die Bergstraße und nach England, bevor er 2016 nach Franken zurückkehrte – als Nachfolger von Bastian Hamdorf (Podcast Folge 181).
Die Erfahrungen aus diesen unterschiedlichen Weinbauregionen prägen Arnolds Blick auf die heutige Arbeit. Technische Entwicklungen findet er wichtig – nicht zuletzt angesichts des Arbeitskräftemangels. Aber er plädiert auch dafür, dass über Generationen erworbenes Wissen nicht verloren gehen darf: Moderne Verfahren und traditionelle Erfahrung müssten zusammenwirken. Ein Beispiel ist der Einsatz von Drohnen in den Steillagen. Nachdem Hubschraubereinsätze für die Bewirtschaftung der vergleichsweise kleinen Flächen zunehmend schwieriger geworden seien, biete die Drohnentechnik neue Möglichkeiten beim Pflanzenschutz. Sie könne körperlich belastende Arbeit reduzieren und den Einsatz von Personal verändern. Arnold sieht darin einen sinnvollen Fortschritt, kritisiert aber auch, dass die Einführung solcher Verfahren durch aufwendige Genehmigungsprozesse gebremst werde.
Auch im Keller setzt Arnold auf eine differenzierte Betrachtung. Den Grundwein für den Silvaner-Sekt erzeugt das Weingut selbst; die Versektung übernimmt ein externer Betrieb in Würzburg. Rund neun Monate dauert die Lagerung in der Regel, gelegentlich auch länger. Der Silvaner-Sekt (hier erstmals probiert!) ist für ihn eine eigenständige Alternative zu den verbreiteten Schaumweinen aus Chardonnay und Pinot Noir. Bei den Stillweinen ist Arnold besonders die Reifezeit wichtig. Gutsweine und Rosé seien für den zeitnahen Genuss gedacht. Anspruchsvollere Weine, insbesondere aus dem Kallmuth, bräuchten dagegen häufig zwei Jahre oder länger, um ihre Aromatik vollständig zu zeigen. Deshalb hält das Weingut einzelne Partien zurück und bietet auch ältere Jahrgänge an.

Zwischen Anspruch und Wirtschaftlichkeit
Wie viele Weinbaubetriebe steht Fürst Löwenstein vor der Aufgabe, steigende Anforderungen mit begrenzten personellen und wirtschaftlichen Ressourcen in Einklang zu bringen. Arnold beschreibt einen Markt, in dem der Preis immer stärker in den Vordergrund rückt. Gleichzeitig werde es schwieriger, ausreichend qualifizierte Arbeitskräfte für die körperlich anspruchsvolle Arbeit im Weinberg zu finden.
Auch die Umstellung auf biologischen Weinbau ist für ihn ein offenes Thema. Gerade in den Steillagen könne der zusätzliche Arbeitsaufwand erheblich sein. Ein vollständiger Verzicht auf Pflanzenschutz ist für ihn unter den gegebenen Bedingungen nicht ohne Weiteres möglich. Das Weingut bemühe sich, so wenig wie möglich und so viel wie nötig einzugreifen. Ob und wann eine Zertifizierung realistisch sei, müsse sich zeigen. Außerdem sieht ein nachdenklicher Peter Arnold einen Widerspruch zwischen hohen Erwartungen an regional und naturnah erzeugte Produkte einerseits und der gleichzeitigen Nachfrage nach möglichst günstigen Weinen aus weit entfernten Herkunftsländern andererseits. Für ihn gehören ökologische Überlegungen, Arbeitsbedingungen und wirtschaftliche Tragfähigkeit zusammen. Ein Weinberg müsse nicht nur fachlich gut bewirtschaftet werden können, sondern auch ein Geschäft ermöglichen, das sich langfristig trägt.
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Weingut Fürst Löwenstein
Schlosspark 3
63924 Kleinheubach
Tel. +49 9371 9486600
loewenstein-wein.de
[Aufgenommen am 23. September 2026]