Bastian Hamdorf: Die aufwändigste Form, Weinbau zu betreiben
Zwei Hektar sind es nur – aber in der Steillage auf Terrassen, einige Parzellen nicht anders als zu Fuß zu erreichen. Einen Trecker braucht Bastian Hamdorf also nicht, wenn er in seine Weinberge geht – eine Tatsache, die die Vorstellungskraft zweier Kontrolleure vom Amt für Landwirtschaft überforderte: sie wollten die TÜV-Stempel seiner Traktoren (jawohl: Mehrzahl!) sehen. Bastian Hamdorf, Winzer in erster Generation im churfränkischen Klingenberg und mit sehr trockenem nordischen Humor ausgestattet, kann darüber nur lachen. Er weiß ja, wieviel Arbeit in den Parzellen am Klingenberger Schlossberg und dem Großheubacher Bioschofsberg steckt: zweitausend Stunden pro Hektar. Viel Aufwand, aber das Ergebnis ist dann eben auch: guter Wein, der in Ruhe reifen darf und auch nach Jahren noch pikobello ins Glas kommt.
Bastian Hamdorf ist gebürtiger Nordfriese, 13 Jahre und einen Tag lebte er auf der Insel Föhr. Dass er einmal Winzer in Klingenberg werden würde, war keineswegs vorgezeichnet. Aber der Vater war Koch, eine Zeit lang liebäugelte Bastian, ihm bei der Berufswahl zu folgen. Aber daraus wurde nichts, obwohl Kochen zu seinen Hobbies gehört. Wenn ihm das kleine Weingut mit knapp zwei Hektar Rebfläche in den steilen Terrassenlagen Churfrankens, in dem Hamdorf konsequent auf Handarbeit, biologischen Weinbau und Weine mit Reifepotenzial setzt, dazu Zeit lässt.
Der Weg zum Winzer begann 2004 mit einem Praktikum beim Weingut Gutzler in Rheinhessen. Es folgten Stationen in der Südoststeiermark und in Neuseeland, bevor Hamdorf von 2005 bis 2009 in Geisenheim Weinbau studierte. Ein Praxissemester in der Wachau bei FX Pichler brachte ihm Angebot, direkt nach dem Studium dort fest angestellt zu arbeiten. 2012 kam Bastian Hamdorf dann nach Churfranken, wo er zunächst als Kellermeister und Winzer im Dienst des Fürsten zu Löwenstein arbeitete.

Die Möglichkeit, eigene Vorstellungen umzusetzen, reizte ihn zunehmend. Als sich 2014 die Gelegenheit bot, alte Terrassenweinberge am Großheubacher Bischofsberg zu übernehmen, begann das eigene Projekt. Aus zunächst 500 Quadratmetern wurden innerhalb weniger Wochen rund ein halber Hektar. Dazu kam ein ehemaliges Winzerhaus aus dem Jahr 1890, das Hamdorf und seine Frau aufwendig sanierten. Der erste eigene Jahrgang entstand 2014.
Hamdorf arbeitet biologisch und hat die Weinbereitung schrittweise auf spontane Gärung umgestellt. Nur in den ersten Jahren nach der Renovierung des Kellers, als er sich über die Flora dort unten nicht so sicher war, setzte er Hefe zu. Seit etwa 2018/19 vergären die Partien vollständig ohne zugesetzte Reinzuchthefen. Die Weine sollen möglichst unverstellt zeigen, was Jahrgang und Herkunft prägen. Eingriffe und Zusätze hält er gering; auch die Schwefelung spielt eine zurückhaltende Rolle. Statt die Weine früh zugänglich zu machen, lässt er ihnen Zeit. Längere Maischestandzeiten, der Ausbau auf der Hefe und die Reifung im Fass gehören zu seinem Ansatz.
Buntsandstein und historische Rebsorten
Klingenberg ist vor allem für Spätburgunder bekannt. Der rote, eisenhaltige Buntsandstein prägt die Weine nach Hamdorfs Erfahrung mit würzigen, kräuterigen und erdigen Noten. Am kühleren Bischofsberg in Großheubach stehen dagegen seine Weißweine, darunter Silvaner und Riesling.

Eine Besonderheit ist die Cuvée „Buntsandstein weiß“. Dafür ließ Hamdorf alte, aus Mauern und historischen Weinbergen stammende Reben genetisch bestimmen. Fünf oder sechs historische Rebsorten wurden identifiziert, vermehrt und 2018 in einem kleinen, rund 400 Quadratmeter großen Weinberg als gemischter Satz gepflanzt. Darunter sind Sorten wie Grüner Adelfränkisch oder Räuschling, die heute kaum noch angebaut werden. Die Mischung knüpft bewusst an frühere Weinbaupraxis an, bei der verschiedene Rebsorten gemeinsam im Weinberg standen. Neben der historischen Idee interessiert Hamdorf dabei auch der praktische Effekt: Unterschiedliche Sorten können sich in ihren Eigenschaften ergänzen und auf Krankheiten unterschiedlich reagieren. Und: er hat damit einen Wein, den nur er so anbieten kann (als Buntsandstein weiß in der Gutswein-Linie).
Hamdorfs Sortiment umfasst Gutsweine der Buntsandstein-Linie und Lagenweine, darunter Spätburgunder, Sylvaner (er schreibt das mit y!), Riesling, und Blaufränkisch. Die Weine werden häufig erst mit zeitlichem Abstand auf den Markt gebracht. Weil Bastian Hamdorf zunächst im Nebenerwerb begann, musste er nicht sofort verkaufen. Diese Möglichkeit nutzt er bis heute: Gerade die in ihrer Jugend oft verschlossenen Weine sollen Zeit bekommen, sich zu entwickeln. Rund 90 Prozent seiner Verkäufe gehen an Privatkunden, unter anderem über den eigenen Onlineshop und den Ab-Hof-Verkauf. Die jährliche Produktion schwankt stark: In guten Jahren sind etwa 10.000 Flaschen möglich, im langjährigen Mittel eher 6.000 bis 7.000. Zwei bis drei Hof- und Gartenfeste sowie Veranstaltungen in der Region ergänzen den Vertrieb.
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Weingut Bastian Hamdorf
Weingartenstrasse 5
63911 Klingenberg am Main
Tel. +49 152 53961969
weingut-bastian-hamdorf.de