Die Zeiten laden zum Jammern ein – aber Lachen ist gesünder, sagt man. Und wenn das Deutsche Weininstitut heute mitteilt, dass „auf Basis der beauftragten Analyse des Weinmarktes durch NielsenIQ … hierzulande die eingekauften Weinmengen und die damit erzielten Umsätze im Vergleich zum Vorjahr jeweils um rund sieben Prozent zurückgingen„, weil „pro Haushalt seltener und weniger Wein gekauft wurde“, dann ist das für einen Fachhändler ja nicht gerade eine Jubelnachricht. Aber: man kann ja was tun! Matthias Gräfe und sein Team vom Radebeuler Wein&fein machen sich beispielsweise schon länger Gedanken und beobachten die Kundschaft im Laden wie im angeschlossenen Bistro. Was geht, sind nämlich gute Sekte/Weine – und was immer mehr geht, sind geschmackvolle, charaktervolle Alternativen zum Wein. Weswegen es beim diesjährigen Kochsternstunden-Menü (wie schon bei dem im Vorjahr) beides gibt. Und weil beide Begleitungen vom Handwerk und daher auch vom Preis vergleichbar sind, kann der Gast problemlos wechseln: hier den Proxy, da den gereifte Spätburgunder. As you like it, wie Shakespeare so treffend formulierte.
Die Tom Kha Gai Suppe kennt man ja normalerweise mit Huhn als Brühe wie als Fleischeinlage. Diese hier hatte Manuela Engelmann-Tyralla in der Küche als vegetarische (oder sogar vegane, da habe ich nicht genug beim Erklären aufgepasst…) Variante zubereitet. Wie so oft: da fehlte nichts – und das Möhrenkraut-Pesto ist vom allerfeinsten. Nicht nur optisch, sondern auch geschmacklich ein schöner Kontrapunkt zur Suppe aus der zu Unrecht so verpönten Steckrübe! Zur Suppe gab’s Wein – und zwar einen feinherben Riesling vom Weingut Forstmeister Geltz-Zilliken an der Saar. Der hat nur große Lagen, aber dieses war ein Gutswein. Bestes Preis-Trinkverhältnis ever und (nicht zum ersten Mal) ein Wein, dem die leichte Restsüße sehr gut tut – zur Suppe, aber auch solo ein Genuss.
Erst rote Bete, dann gelbe Rübe – und nun? Rosenkohl! Ja, es gibt viele Gemüse im Winter, die man schon mal in merkwürdigen Zubereitungen gegessen hat. Aber es geht ja auch immer mit etwas Phantasie mal anders, vielleicht ungewohnt: Rosenkohl als Blättchen und kleine Stückchen in einem kalten Salat, asiatisch angemacht und daher so gar nicht das klassische deutsche Wintergemüse. Entsprechend zart kam der getrüffelte Fleischkäse daher, so dass (auch) dieser Gang was Leichtes hatte. Wie hatte Torsten Ebert eingangs (als wir fragten, ob denn die sechs Gänge zu schaffen seien?) gesagt: das Ziel sei, dass keiner hungrig rausgeht – aber auch keiner zum Bahnhof gerollt werden muss. Bislang ließ sich das gut an – und, da wir schon bei dem Thema sind: unter der Woche – also DiMiDo – kann man das Menü auch als Drei-Gang-Menü bestellen. „Gäste hatten sich das gewünscht, weil sie nicht einen gemütlich langen Abend Zeit hatten, aber dennoch probieren wollten“, erklärt Matthias Gräfe die Ergänzung des Angebots.