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Die Sonntagsfrage für Weintrinker

Weingläser
Ein Orange Wein im Weingut Drei Herren (Bild: Ulrich van Stipriaan)
Von: Ulrich van Stipriaan
Politische Weingutsbummelei durch das Elbland mit Spätburgunder, Grüner Veltliner und Orange-Wein – verbunden mit augenzwinkernden Partei-Analogien und klaren Winzerempfehlungen.

Die Sonntagsfrage stellte sich im Elbland am vergangenen Wochenende anders als im benachbarten Sachsen-Anhalt. Während man dortens ja viel von der AFD und irgendwas um die 40 % liest, war es hier bei Winzern wie Aust, Fourré und Drei Herren zwar von West nach Ost gelaufen auch AFD, aber die Prozentzahlen lagen hier bei doch sehr erfreulich-moderaten elf bis 13 Prozent – je nachdem. Unser genussreiche Bummelei brachte – einmal mit politischen Assoziationen verknüpft – weitere überraschende Erkenntnisse.

Die Idee war ja, sich durchs Parteienspektrum zu trinken. Am leichtesten wäre das bei den Roten gewesen, da kann man sich ja die SPD mit Spätburgunder, Portugieser, Dornfelder schön trinken. Eine Cuvée aus allen drei Rebsorten würde allerdings einem Realitätscheck nicht standhalten: eine Cuvée ist schließlich eine gelungene Kombination mit viel Harmonie, und das ist ja bekanntlich nicht unbedingt ein Synonym für die Sozialdemokraten. Ich beließ es also bei einem Spätburgunder aus dem Hause Aust. Gewachsen 2024 im Goldenen Wagen, der sächsischen Paradelage. Das Weingut von Karl Friedrich Aust liegt ja quasi mitten in dieser Lage, und bei Festen wie den Tagen des offenen Weinguts sitzt man am Rand derselben, an denen prächtige Sonnenblumen und duftende Rosen die Optik gehörig pimpen.

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Weine für die CDU zu finden, ist in deutschen Landen schwierig – zumal die Christdemokraten es ja im Grunde ihrer schwarzen Seele eher nicht so mit den Roten haben. Also vielleicht was sommerlich Weißes suchen und finden? Weiße Rebsorten mit D oder U am Anfang gibt’s eh wenig, in Sachsen (und schon gar nicht bei meinen besuchten drei Sonntagsfrage-Winzern). Bleibt was mit C, was im Rahmen der Gleichbehandlung (die Sozen hatten ja auch nur den ersten Buchstaben für den Wein zur Verfügung gestellt) ja eh in Ordnung ist. Also beispielsweise Chardonnay (gibt’s in Sachsen, aber nicht bei meinen Auswahl-Winzern) – aber da gibt’s ja noch unseren cleveren Mann aus Paris: Frédéric Fourré. Der hatte mal Grau- und Spätburgunder zu einer Cuvée vermählt, was für Qualitätswein so nicht vorgesehen ist – aber hey: auch Deutscher Wein mit Trauben aus Sachsen kann ja schmecken! Außerdem ist das natürlich ganz passend, weil ja die C-Parteien auch zu zweit sind, mit einem großen und einem sich für immens wichtig haltenden Partner. Wein kann ja so lebensnah sein!

Frédéric Fourré feiert die Tage des offenen Weinguts ja schon seit Jahren in der Bennostraße 9¾ – eine Anschrift, die Harry Potter alle Ehre machen würde. Mit Matthias Gräfe und seinem Team von Graefes Wein & fein als Gastro-Partner ist aber auch jemand dabei, der gerne mal wider den Stachel löckt: so gibt’s am Eingang zum Gartengrundstück die Weine von Frédéric Fourré und am gegenüberliegenden Ende eine Bøbbel-Bar. Bøbbel ist Phantasiedeutsch und erinnert an das englische bubbles, was wiederum Blasen sind – es geht also um Schaumwein, an der Bøbbel-Bar natürlich der von Frédéric Fourré, aber eben auch richtig gute (und durchaus preisintensive) Champagner. Und weil’s ein Weinfest ist: natürlich auch glasweise. Das hat mich natürlich nicht kalt gelassen, denn Gelegenheit macht natürlich Genüssler, aber auf dem Weg zu den Bøbbels gab’s eine kleine politische Hommage. Für die Grünen habe ich etwas ausgesucht, was zumindest für Sachsen ganz gut zu passen schien, denn der Wein der Wahl war ein 2023 Grüner Veltliner ungefiltert. Grüner Veltliner wird in Sachsen quasi gar nicht angebaut (meine letzte Zahl ist von 1922, da waren es 0,4921 ha) – seltenes Vorkommen wäre also schon mal gegeben. In Sachen Vielfalt passt’s natürlich auch, wenn ein Winzer aus Paris am Goldenen Wagen in der Hoflößnitz das Aushängeschild des österreichischen Weins ausschenkt. Hinzu kommt: zumindest bei den Weinen der beiden Winzer Stefan Bönsch und Frédéric Fourré werden aber nicht mal Spätburgunder- oder Chardonnay-Anhänger was zu meckern haben: Qualität ist da garantiert.

Das Weingut Drei Herren profitiert auch von seiner Lage direkt am Fuße des Hermannsberges. Man sitzt (oder steht) nahezu in den Reben und trinkt bei geschickter Auswahl, was weniger Meter entfernt gewachsen ist und (bei zufällig richtigem Standpunkt) unter den Füßen im modernen Keller gekeltert wurde. Das war für mich allerdings kein Kriterium, denn in der politischen Weingutsbummelei fehlte mir noch ein Wein für die Linken. Ein schlichter Roter wäre da nicht angemessen, etwas komplizierter sollte es schon sein. Da passte es doch ganz gut, dass die Drei Herren auch einen Orange-Wein im Angebot haben. Die interessante Farbe kommt von der Herstellung: so wie das Rote bei Rotweinen aus der Beerenhaut kommt, kommt beim Einmaischen von Weißweintrauben auch Farbe ins Spiel – je nach Sorte auch ein sehr funkelndes Orange. Wobei die frische Fruchtigkeit, die man bei den klaren Weißweinen gewohnt ist, nicht zum Geschmacksprofil der Orange-Weine gehört und wenn sie ungefiltert auf die Flasche kommen, darf der Wein im Glas auch schon mal sehr naturtrüb aussehen. Aber: neue Ideen braucht das Land! Und da darf’s gerne mal ein gut gemachter Orange sein…

Ulrich van Stipriaan
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Ulrich van Stipriaan

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