Die Sonne ist hinterm Horizont verschwunden, nun lassen einstellige Temperaturen frösteln. Doch davor hat sich Anne Selle mit einer dicken Jacke gewappnet und eine Warnweste übergezogen. Mit ihrer Taschenlampe leuchtet die Studentin eine Hecke am Straßenrand ab. Vor einigen Wochen haben Helfer hier im Chemnitzer Stadtteil Rabenstein einen Amphibienzaun aufgestellt, damit die alljährliche Wanderung von Molchen, Fröschen und Kröten nicht jäh auf der Straße endet. Nun macht sich die 25-Jährige auf, die am Zaun eingegrabenen Eimer zu kontrollieren.
Rekord an ehrenamtlichen Helfern in Chemnitz
Ohne ehrenamtliche Helfer wäre dies nicht zu stemmen, betont der Leiter der Unteren Naturschutzbehörde, Jens Börner. Früher seien die knapp 20 Standorte im Stadtgebiet von Zivildienstleistenden betreut worden. Doch mit Aussetzen der Wehrpflicht brachen diese Helfer weg. Seither setzt die Stadt aufs Ehrenamt - und stößt damit auf wachsendes Interesse. Es gebe immer mehr Freiwillige, die sich für den Schutz der Amphibien engagieren. Dieses Jahr seien es 90 Helfer, erklärt Börner. «Das ist ein Rekord. So viele hatten wir noch nie.»
Statt den Abend auf der Couch zu verbringen, hilft auch Selle lieber mit Taschenlampe, Kladde und Eimer gerüstet dabei, Molche, Kröten und Co zu schützen. Sie ist das zweite Jahr dabei. «Ich finde die Tiere total niedlich», erzählt sie. «Ich bin ein Frosch-Fan.» Dass für diese Aufgaben Freiwillige gesucht werden, davon habe sie in der Straßenbahn gelesen. Vor ihrem Einsatz werden die Helfer entsprechend angeleitet. Zur Ausrüstung gehört neben Handschuhen auch Desinfektionsmittel. Damit soll verhindert werden, dass die Helfer Krankheitserreger, die den Tieren gefährlich werden können, verbreiten.
«Der Amphibienschutz in Sachsen funktioniert vor allem dank des großen ehrenamtlichen Engagements», erklärt Robert Beske, Sprecher des Naturschutzbundes Nabu in Sachsen. Viele Teams hätten langjährige Erfahrung und kümmerten sich zuverlässig um Zaunaufbau und tägliche Kontrollen. «Ganze Familien, Schulklassen, Berufstätige und Rentnerinnen und Rentner packen gemeinsam an. Es macht sichtlich Spaß, zusammen etwas praktisch Sinnvolles für Tiere zu tun.» So gebe es auch in Leipzig viele Freiwillige, die an 15 Standorten helfen, Amphibien sicher über Straßen zu bringen und zu zählen. «Die Gruppen organisieren sich meist unkompliziert über Messenger.»