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Ein Gentleman zwischen den Pfosten: Jürgen Croy wird 80

Ein Gentleman zwischen den Pfosten: Jürgen Croy wird 80
Der ehemalige DDR-Nationaltorhüter Jürgen Croy wird 80. / Foto: Danny Gohlke/dpa
Er war ein bodenständiger Weltklasse-Torhüter, der sich auch nicht von den DDR-Oberen verbiegen ließ. Der Zwickauer Jürgen Croy wird zum Jubiläum besonders gewürdigt.

Solche Geburtstagsgeschenke gibt es wohl nur selten. Zum 80. Geburtstag am Montag widmete der MDR einem der wohl besten Fußball-Torhüter Deutschlands eine 45-minütige Dokumentation. Der Verein entwarf eine Extra-Modekollektion, das Regionalliga-Team spielt in Sondertrikots. Und das alles für einen Mann, der für Club und Stadt etwas Besonderes ist und die Voraufführung in einem Zwickauer Kino gemeinsam mit 250 Menschen erlebte - Jürgen Croy.

Große Worte waren nie sein Ding - auch nicht an diesem Abend. Jürgen Croy ließ lieber Taten sprechen. Als Fußball-Torhüter, als Trainer, als Bürgermeister seiner Heimatstadt Zwickau. Croy war ein Mann des Volkes und die DDR-Fußballfans honorierten das. Sie wählten den Keeper der damaligen BSG Sachsenring Zwickau nach der Wende zum «Besten Fußballer der DDR». Einen Torhüter, und eben nicht die ebenfalls weltbekannten Feldspieler Jürgen Sparwasser, Hans-Jürgen Dörner, Joachim Streich, Peter Ducke oder Eberhard Vogel.

Croy mag die Öffentlichkeit, die Fans, seine einstigen Weggefährten bis heute. Im Kino schrieb er unzählige Autogramme, hier ein Selfie, da ein Smalltalk. Rank und schlank wie in seinen besten Fußballer-Tagen, geistig fit und wortgewandt. Bis heute ein Fußballer, der seine ganze Karriere über bei einer Betriebssportgemeinschaft verbrachte, nicht bei den großen Clubs der DDR, und der dennoch das Prädikat «Weltklasse» erreichte.

Große emotionale Ausbrüche waren nie sein Markenzeichen. Dafür Ruhe und Sachlichkeit. Jürgen Croy war einer, der wusste, was er will. Und einer, der seine Ziele mit Beharrlichkeit verfolgte und erreichte. Es gibt wenige Torhüter, die diese Eigenschaften verkörpern. «Ein Torhüter muss nicht extrovertiert, er muss kein Showman sein», sagt Croy.

Ein Mann ohne Allüren

Der 94-malige DDR-Nationalspieler überzeugte vielmehr durch Zweckmäßigkeit, hervorragendes Stellungsspiel und Effektivität bei den Paraden. Extra-Flugeinlagen, um sich den Beifall des Publikums zu holen, brauchte er nicht. 

Erfolge feierte er trotzdem. In seiner Laufbahn von 1965 bis 1981 wurde er Olympiasieger (1976) und Olympia-Dritter (1972), spielte die Weltmeisterschaft 1974 mit dem legendären 1:0-Sieg im einzigen deutsch-deutschen Aufeinandertreffen gegen die BRD in Hamburg, erreichte mit Sachsenring Zwickau sogar das Halbfinale im Europapokal der Pokalsieger (1976).

«Mir war es wichtig, dort zu sein, wo sich die Familie wohlfühlt, wo alles passt. Und das war in Zwickau. Ich habe immer Oberliga gespielt, mit meinem Verein zweimal den Pokal geholt», berichtet Croy nicht ohne Stolz. Das gefiel nicht allen, vor allem nicht der DDR-Sportführung. «Vonseiten des Deutschen Turn- und Sportbundes der DDR wurden mir sogar recht unverblümt Repressalien angedroht. Glücklicherweise war ich da schon lange Nationalspieler und konnte den Druck abwehren. Es wäre wohl nicht erklärbar gewesen, wenn der beste Torwart des Landes nicht mehr in der Nationalmannschaft gespielt hätte», erinnert sich Croy.

Eine ehrliche Haut

Er war immer eine ehrliche Haut, die lange nach der Wende auch Einblicke in das Sportlerleben in der DDR gab. «Gehalt so um die 1.500 Mark der DDR, für Nationalspieler gab es 1.000 Mark pro Monat extra und für das jeweilige Länderspiel dann noch mal 1.000 bis 2.000 Mark drauf - je nach Leistungsstärke des Gegners», erzählte Croy einmal bei einem Talk im Rostocker Ostseestadion und sagte auch, was er mit den 8.500 Mark Prämie für die WM 1974 gemacht hat: Er kaufte sich unter anderem einen Pool davon, in dem noch lange nach der Wende gebadet wurde.

Nach seiner Karriere und im neuen politischen System war er Sportlehrer, Trainer von Sachsenring Zwickau, Repräsentant einer Sportartikelfirma, Verlagsleiter einer westsächsischen Zeitungsgruppe, Bürgermeister für Kultur, Schule und Sport in Zwickau sowie Geschäftsführer der dortigen Kultur-, Tourismus- und Messebetriebe. «Ich hatte das Glück, interessante berufliche Erfahrungen machen zu können», sagt Croy. «Ich bin immer gern auf die Arbeit gegangen.»

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