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Rätsel Wolke: Forschende aus Leipzig wollen Wetterprognosen verbessern

Über 35 Geräte stehen auf dem DWD-Messfeld in Falkenberg – sie sollen erstmals die dreidimensionale Struktur von Wolken vollständig erfassen.
Das Messfeld des Deutschen Wetterdienstes in Falkenberg (Tauche) ist seit Mai 2026 Zentrale der größten Wolken-Messkampagne Europas. © Claudia Frangipani/DWD
Von: Wissensland
Wolken sind schwieriger zu verstehen, als man denkt. Bisherige Wetter- und Klimamodelle bilden sie zu vereinfacht ab. Das macht Prognosen ungenau. Jetzt starten über 40 Forschende, darunter das Leipziger TROPOS-Institut, die bislang aufwendigste Wolken-Messkampagne Europas: mit Drohnen, einem Hubschrauber und einem Netz aus Dutzenden Sensoren.

Wer morgens aus dem Fenster schaut und Wolken sieht, denkt selten daran, wie schwer sie für die Forschung zu verstehen sind. Dabei gehören Wolken zu den größten Unsicherheiten in Wetter- und Klimamodellen. Sie beeinflussen, wie viel Sonnenlicht die Erde erreicht, wie stark sich die Atmosphäre erwärmt und wie sich Wetter und Klima entwickeln. Genau das wollen Forschende aus Leipzig gemeinsam mit über 40 Wissenschaftlern aus Europa nun genauer untersuchen.

Von Mai bis August 2026 läuft südöstlich von Berlin die Messkampagne C3SAR, kurz für „Cloud 3D Structure and Radiation". Zum ersten Mal soll der Einfluss der dreidimensionalen Wolkenstruktur auf die Sonnenstrahlung detailliert vermessen werden. Bislang vereinfachen viele Wetter- und Klimamodelle Wolken stark. In Wirklichkeit sind Wolken jedoch räumlich komplex aufgebaut. Genau das beeinflusst, wie Sonnenlicht gestreut, reflektiert oder absorbiert wird.

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Sensoren, Drohnen und ein Hubschrauber

Das Herzstück der Kampagne ist das Meteorologisches Observatorium Lindenberg des Deutscher Wetterdienst. Seit mehr als 120 Jahren wird dort die Atmosphäre untersucht. Für die Kampagne kommen über 35 Messgeräte zum Einsatz. Das Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) aus Leipzig leitet das Forschungsteam und hat ein Netz aus 45 kleinen Sensoren aufgebaut. Diese sogenannten Pyranometer messen, wie viel Sonnenstrahlung am Boden ankommt, verteilt über ein Gebiet von fast zehn mal zehn Kilometern.

Gleichzeitig steigen Drohnen der Universität Tübingen, der Technische Universität Braunschweig und des Finnish Meteorological Institute in die Wolken auf. Und TROPOS schickt sein auffälligstes Messgerät ins Rennen: ACTOS, eine Plattform, die an einem 150 Meter langen Seil unter einem Hubschrauber hängt. Sie wird durch Wolken gezogen und misst dabei unter anderem Größe und Anzahl der Wassertröpfchen. Diese Eigenschaften bestimmen mit, wie stark Wolken Sonnenstrahlung beeinflussen.

Warum die Messungen wichtig sind

Die Daten der Kampagne sollen helfen, Wolken in Wetter- und Klimamodellen realistischer darzustellen. Dadurch könnten langfristig auch Vorhersagen zu Wetter und Klima genauer werden. Andreas Macke vom TROPOS erwartet, dass die Kombination aus Messungen am Boden, aus der Luft und aus Satellitendaten erstmals ein deutlich genaueres Bild davon liefert, wie Wolken Sonnenstrahlung beeinflussen.

In einem zweiten Schritt soll die Forschung auf Standorte in Europa, Afrika und den Polarregionen ausgeweitet werden, um Wolken künftig weltweit besser vergleichen zu können.

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