Auf dem Weg in die Freiheit rutscht Michael Schlosser dann doch das Herz in die Hose. Die Stufen der Holztreppe hinaus auf das Freigelände im Kaßberg-Gefängnis im damaligen Karl-Marx-Stadt geht der damals 40-Jährige mit puddingweichen Beinen herunter. «Die Knie waren wie Gummi», erinnert sich der Wahl-Sachse im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur an jenen 5. Dezember 1984. In einem Magirus-Bus mit Gießener Nummernschild verlässt Michael Schlosser über das als «Tor zur Freiheit» bekannt gewordene Gefängnis für immer die DDR.
Das Kaßberg-Gefängnis im heutigen Chemnitz: Von 1963 bis 1989 wurde über die Haftanstalt der Freikauf politischer Häftlinge durch die Bundesrepublik zentral abgewickelt - für Männer wie für Frauen. Nach Angaben des Vereins Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis sind so 31 775 Menschen aus DDR-Gefängnissen von der BRD für mehr als drei Milliarden D-Mark freigekauft worden.
Zur wechselvollen Geschichte des 1886 errichteten Gebäudes gehört auch die Nutzung als Untersuchungs- und Strafgefängnis während des Nationalsozialismus von 1933 bis 1945 sowie anschließend als Gefängnis des russischen Innenministeriums NKWD (1945-1952). Zu DDR-Zeiten wurde sie überwiegend vom Ministerium für Staatssicherheit (MfS) genutzt. Nach der Wende war der Komplex bis 2010 Justizvollzugsanstalt des Freistaates Sachsen.