Immer wieder unterschätzen Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene die Gefahr auf Bahnanlagen. «Dann wird aus Leichtsinn schnell Ernst, im schlimmsten Fall tödlicher», warnten Präventionsbeauftragte von Bundespolizei und Deutscher Bahn am Dienstag beim Vor-Ort-Termin in Dresden. Das Phänomen nehme seit März in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt zu - und reicht von der Nähe zur Bahnsteigkante über Selfies im Gleis und der Abkürzung über die Schienen bis zu Klettertouren auf Waggons als Mutprobe.
Statistiken dazu gibt es nicht, weil die Behörden meist eher zufällig davon erfahren, wenn Zugführer sie informieren oder sie auf Posts in den sozialen Medien aufmerksam werden. «Noch sind es Einzelfälle, die sich aber häufen und das Dunkelfeld ist sehr hoch», sagte Polizeihauptmeister Uwe Clausnitzer. Er geht von ein bis zwei Meldungen pro Monat im Dresdner Bereich aus, in Frankfurt am Main oder München sehe das anders aus.
«Gleise, Züge, Bahnanlagen sind keine Abenteuerspielplätze!», warnten die Beamten vor den nahen Sommerferien. Es sei davon auszugehen, dass viele Familien wegen der Corona-Pandemie zu Hause bleiben oder Urlaub in Deutschland machen - und diese Orte locken. Dabei ist das Betreten von Bahnanlagen generell verboten, sagte Bastian Peter von der Deutschen Bahn. Die Züge seien sehr schnell, oft ziemlich leise und könnten nicht ausweichen. «Und Teenager sind durch das Handy abgelenkt, haben oft Kopfhörer auf und überhören die Gefahr.» Dabei komme ein Zug mit Tempo 120 oder 140 trotz Vollbremsung erst nach 1000 Metern zum Stillstand.