Trotz Zweifeln und eines gewissen Risikos waren sich die Beteiligten am Treffen mit dem vermeintlichen belgischen Diamanthändler im Dezember 2021 einig, auf sein Angebot einzugehen, um eines der Beutestücke des Juwelendiebstahls aus dem Grünen Gewölbe Dresden zurückzugewinnen. Hoffnung und Scheitern hielten sich die Waage nach dem Gespräch mit dem Mann in Antwerpen, sagte die Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD), Marion Ackermann, am Dienstag im Betrugsprozess gegen den Niederländer am Landgericht Dresden. Dass es auch Betrug sein könnte, «war uns allen bewusst». Sie habe auf die Expertise hocherfahrener Spezialisten der Soko Epaulette und des angesehenen Kunstdetektivs Arthur Brand vertraut und sich nicht in der Rolle gesehen, die Dinge zu entscheiden.
Der Angeklagte, ein Schausteller, soll die SKD gezielt betrogen haben. Der 55-Jährige hatte das zum Prozessauftakt vor einer Woche gestanden und angegeben, sich als belgischer Diamanthändler aus- und vorgegeben zu haben, dass er von zwei Tschetschenen den Bruststern des polnischen Weißen Adler-Ordens aus der damals noch verschwundenen Beute kaufen könne. Die ihm dafür von den SKD übergebenen 40 000 Euro habe er behalten. Laut Anklage behauptete er auch, dass er und sein Chef das Beutestück untersucht hätten und es echt sei. Der Mann sei bei dem Gespräch mit drei SKD-Vertretern und Brand in einem Hotel kompetent aufgetreten und habe mit Kunstsachverstand überzeugt.