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Experte: Kontrolliertes Brennen statt mehr Technik nötig

Experte: Kontrolliertes Brennen statt mehr Technik nötig
Auch in diesem Jahr hat die munitionsbelastete Gohrischheide im Grenzgebiet zwischen Sachsen und Brandenburg gebrannt. (Archivbild) / Foto: Robert Michael/dpa
Von: DieSachsen News
Der renommierte Feuerökologe Johann Georg Goldammer fordert ein Umdenken im Kampf gegen die Brände. Kontrolliertes Brennen könne die Brandlast senken, Munition freilegen und Feuer bekämpfen helfen.

Der renommierte Feuerökologe Johann Georg Goldammer fordert den gezielten Einsatz von Feuer auf munitionsbelasteten Flächen, auf denen es immer wieder zu Bränden kommt. Geld für mehr Löschfahrzeuge, Hubschrauber und Technik werde allein nicht reichen im Umgang mit Bränden, wie sie Sachsen und Brandenburg auch in diesem Sommer wieder erlebt haben. Goldammer leitet das gemeinsam vom Max-Planck-Institut für Chemie und der Uni Freiburg betriebene «Global Fire Monitoring Center» (GFMC) und berät Politik und Behörden weltweit im Umgang mit Feuer. 

Auf dem früheren Truppenübungsplatz Heidehof-Golmberg in Brandenburg hat das GFMC bereits vor mehr als zehn Jahren in einem öffentlich geförderten Projekt kontrollierte Feuerexperimente auf kampfmittelbelasteten Flächen durchgeführt. Goldammers Empfehlung damals: Kontrolliertes Brennen mit gepanzerten Spezialfahrzeugen kann aus naturschutzfachlicher Sicht die geschützte Heidelandschaft kostengünstig erhalten und vor der «Verwaldung» bewahren und gleichzeitig die Brandlast reduzieren. Eine ausreichende Beweidung oder der Einsatz von Fahrzeugen zur konventionellen Landschaftspflege sei häufig zu aufwendig und aufgrund der Munitionsbelastung nicht möglich. Kontrollierte Feuer legten außerdem Munition auf und abseits der Fahrtkorridore zur Beräumung frei. Die Forschung existiere, werde von Behörden aber seit Jahren ignoriert, kritisierte Goldammer, der für seine Arbeit 2024 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde.

Gemeinsame Ausbildung von Forstwirten und Feuerwehr in Freiburg

In Brandenburg kommt es bei Jüterbog auf einem früheren Truppenübungsplatz immer wieder zu Bränden. Sachsens Einsatzkräfte haben auch in diesem Jahr erneut ein Feuer in der munitionsbelasteten Gohrischheide bei Zeithain bekämpfen müssen, nachdem es dort bereits im Vorjahr einen Großbrand gegeben hatte, bei dem die Einsatzkräfte aufgrund der Munitionsbelastung weitgehend machtlos waren. Derartige Flächen dürften nicht unkontrolliert zuwachsen, so der Experte. «Dann kommt eine Situation - und das Feuer ist ja unvermeidbar - dass es dann in den Wildnisflächen brennt und dann können die Einsatzkräfte schon mal gar nichts machen.»

Statt mehr Ausrüstung fordert Goldammer ein grundlegendes Umdenken zum Thema «Landschaftsbrände» - wie er es nennt - schon bei Ausbildung und Zuständigkeit. In seiner Heimat Freiburg hat der Experte dafür seit 2012 eine Kooperation zwischen Feuerwehr und Forstamt aufgebaut. Forstwirte werden dabei für den Erstangriff gezielt mit Löschtechnik ausgestattet und zusammen mit den Einsatzkräften der Feuerwehren in der Brandbekämpfung ausgebildet. Dabei wird auch gezielt der Einsatz und das Kontrollieren von Gegenfeuern trainiert, um Brände aufzuhalten.

Goldammer: Feuer gegen Feuer nur mit solider Ausbildung 

Die Methode ist in diesem Sommer bei dem verheerenden Feuer im deutsch-belgischen Grenzgebiet in der Eifel eingesetzt worden. Der Einsatz von Feuer gegen Feuer sei richtig, aber ohne solide Grundausbildung gefährlich, so Goldammer. «Da müssen wir verdammt aufpassen.» Einsatzleiter, die zum ersten Mal eine Großbrandlage führten, seien damit womöglich überfordert. 

Angesichts immer häufigerer Brände in einer Vielzahl verschiedener Landschaften und zahlreicher weiterer klimatischer Herausforderungen empfiehlt der GFMC-Leiter eine nationale ständige Konferenz zur Klimakrise, die Wissenschaft, Zivilgesellschaft und alle relevanten Behörden übergreifend zusammenbringt. Bestehende Gremien wie die Innenministerkonferenz, Umweltministerkonferenz oder die Forstchefkonferenz umfassten ausschließlich Behördenvertreter eines Fachgebiets. Prävention müsse mindestens gleichwertig behandelt werden wie Maßnahmen der unmittelbaren Brandbekämpfung.

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