Warum die Igelhilfen in Sachsen momentan viel zu tun haben
Die Igelhilfen in Sachsen sind derzeit voll ausgelastet. Die Tiere, die sie aufnehmen, sind zu klein und zu leicht. Hinzu kommen Verletzungen durch Gartengeräte, Parasitenbefall oder Atemwegserkrankungen. Die Igelhilfe in Radebeul ist nach Schätzungen der Ersten Vorsitzenden Karina Görner derzeit mit 60 bis 65 Igeln voll ausgelastet. «Das ist in dieser Zeit leider auch normal. Jetzt werden ganz, ganz viele kleine Igel noch gefunden. Ich habe ständig Anfragen», sagte Görner. Rund um die Uhr fragen Menschen bei dem Verein um Hilfe, die verletzte oder abgemagerte Igel gefunden haben. «Der Spätsommer und Herbst sind bei uns jedes Jahr die intensivste Zeit. Besonders ab August steigen die Aufnahmezahlen stark an und erfahrungsgemäß ist die Saison auch Mitte Oktober noch lange nicht vorbei», hieß es auch vom Verein Stachelnasen Zwickauer Land. Im Zwickauer Verein werden momentan sogar 98 Igel betreut, hinzu kommen externe Päppelstellen, die Tiere pflegen. Dass im Herbst so viel zu tun ist, liegt laut Görner daran, dass Igel ihre Jungen erst sehr spät im Jahr bekommen, oft erst im August oder September. Damit ein Igel seinen Winterschlaf antreten kann, sollte ein Jungigel mindestens 500 bis 600 Gramm wiegen. Igel finden aber immer schwerer Futter. Bei Kälte nehmen sie irgendwann nicht mehr zu, weil sie zu viel Energie verbrennen. Teilweise wiegen die in Radebeul abgegebenen Igel nur 250 Gramm. Dazu bringen Menschen immer wieder verletzte Igel, die sich etwa durch Gartengeräte Schnittwunden zugezogen haben. Bei der Igelhilfe werden die Tiere versorgt und aufgepäppelt. Trotz eines Aufnahmestopps nehme man in Radebeul noch absolute Notfälle auf, sagte Görner. Bei einfacheren Fällen leitet man die Finder an, wie sie sich selbst um die Igel kümmern können. Solange es nicht zu kalt ist, wildert die Igelhilfe auch genesene Igel aus. Görner hofft, dass dies noch bis Ende Oktober möglich ist. Igel, die bis dahin nicht fit genug sind, müssen bei der Igelhilfe oder in externen Überwinterungsstellen überwintern. Laut Görner dauert der Hochbetrieb noch bis Ende November, Anfang Dezember an. Im Zwickauer Verein ist man im Vergleich zu den Vorjahren ebenfalls stärker ausgelastet. Bis zum 13. Oktober dieses Jahres hat der Verein nach eigenen Angaben 656 Igel aufgenommen. 2025 waren es demnach bis zu dem Zeitpunkt 624 und 2024 lediglich 539 Igel gewesen. Bei der Igelhilfe in Radebeul schildert Görner die Situation wie folgt: «Wir haben gleichbleibende Aufnahmezahlen, gleichzeitig schwindet die Population. Die Logik dahinter ist eine traurige. Die Igel, die überleben, sind schwächer. Die Igel, die jetzt noch da sind, sind schwächer als die Igel, die vorher da waren, als ihre Nahrungsgrundlage noch so vielfältig war.» Der Igel steht auf der Roten Liste der International Union for Conservation of Nature (IUCN) als potenziell gefährdet. Die Igelhilfen in Radebeul und Zwickau bestätigen, dass die Nahrungssuche für den Igel ihrem Eindruck nach schwieriger geworden ist. Wann sollte man einem Igel zur Hilfe kommen, den man findet? Ein Igel könnte laut Görner hilfsbedürftig sein, wenn er tagaktiv ist, 400 Gramm oder weniger wiegt oder verletzt ist. Sie rät auch dazu, gefundene Igel, bei denen man sich unsicher ist, zu wiegen und ihr Gewicht zu überprüfen. Wer einen einzelnen kleinen Igel in Not findet, sollte außerdem die Augen nach weiteren Jungtieren offenhalten. Und schließlich sollte eine Igelhilfe kontaktiert werden, um sich beraten zu lassen oder - wenn der Igel schwer verletzt ist - damit sie ihn in Obhut nehmen. Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehaltenHochsaison bis in den Winter
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