So viele Datenschutzbeschwerden wie noch nie in Sachsen
Bei Sachsens Datenschutzbeauftragter Juliane Hundert sind dieses Jahr so viele Beschwerden eingegangen wie noch nie. Bis Ende September wurden mehr als 1.800 Eingaben zu vermuteten Verstößen gegen den Datenschutz gemacht - ein Plus von 52 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Damit ist der bisherige Rekord vom 1.614 Beschwerden im Gesamtjahr 2025 schon jetzt gebrochen, wie es in einer Mitteilung heißt. Einen großen Anstieg gibt es demnach bei Beschwerden zu Videoüberwachung. Häufig gehe es dabei um Kameras im gewerblichen Umfeld sowie im Wohn- und Nachbarschaftsbereich. «Oftmals werden dabei unzulässigerweise öffentliche Gehwege, Mieter- oder Kundenbereiche erfasst.» Auch Streitereien zwischen Nachbarn würden ab einer gewissen Eskalationsstufe oft per Videoüberwachung ausgetragen. Datenpannen etwa bei Unternehmen und Institutionen nehmen den Angaben zufolge ebenfalls zu. Sie sind verpflichtet, Verletzungen des Datenschutzes der Aufsichtsbehörde zu melden. Bis Ende Oktober seien mit 1.400 solcher Meldungen so viele wie noch nie eingegangen, heißt es. Im Gesamtjahr 2025 seien es 1.058 gewesen. Ein Grund seien mehr Cyberangriffe, bei denen personenbezogene Daten betroffen sind - etwa Gesundheits- und Finanzdaten. Die Zunahme der Beschwerden wird auch auf die Ausbreitung der Künstlichen Intelligenz (KI) zurückgeführt. Sie erleichtere es Bürgern, Beschwerdeschreiben zu formulieren und die jeweiligen Ansprechpartner zu finden, heißt es. Die Datenschutzbeauftragte Hundert appelliert an den Landtag, ihr zur Bewältigung der «Beschwerdeflut» mehr Personal zur Verfügung zu stellen. Konkret spricht sie von zwei Stellen zusätzlich zu den aktuell 41 Stellen in Ihrem Bereich. «Andernfalls gehen das anhaltend hohe Beschwerdeaufkommen und die steigende Komplexität der Fragestellungen unweigerlich zulasten von anlasslosen Kontrollen, Aufklärung und der allgemeinen Präventionsarbeit», betont Hundert. «Ich befürchte, dass der Schutz der Grund- und Persönlichkeitsrechte spürbar geschwächt wird.» Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehaltenKI erleichtert Bürgern das Verfassen von Beschwerden