30 Jahre nach dem Wende-Herbst von 1989 hat Außenminister Heiko Maas dazu aufgerufen, wachsendem Nationalismus und neuen Spaltungstendenzen in Europa entgegenzutreten. Am Jahrestag der Ausreisegenehmigung für Tausende DDR-Flüchtlinge in der deutschen Botschaft in Prag warb er am Montag in der tschechischen Hauptstadt dafür, sich deren Mut zum Vorbild zu nehmen. «Es lohnt sich, etwas zu riskieren für Freiheit, Gerechtigkeit, Demokratie. Denn: Nichts davon ist selbstverständlich», sagte er bei einem Empfang in der Botschaft laut vorab verbreitetem Redetext. «Diese Erkenntnis ist heute, in Zeiten populistischer Verführer und nationalistischer Ideologen, noch genauso wertvoll wie damals.»
Die deutsche Einheit sei auch ein «Geschenk Europas an Deutschland» gewesen, betonte Maas - und das am Ende eines Jahrhunderts, in dem Deutsche «unendliches Leid und Schrecken» über Europa gebracht hätten. Es gehe nun für Deutsche und Tschechen darum, einen Beitrag dazu zu leisten, Europa zusammenhalten. «Gerade wir dürfen es nicht zulassen, dass sich neue Gräben auftun in Europa – egal ob zwischen Ost und West oder Süd und Nord.»