Tschechien: Vorurteile gegen Roma bleiben weit verbreitet
Roma in Tschechien sind laut einer aktuellen Untersuchung der Europäischen Union überdurchschnittlich häufig von Diskriminierung betroffen. Das geht aus der „Roma Survey 2024“ der EU-Agentur für Grundrechte hervor. Demnach berichtete rund ein Drittel der Roma in den untersuchten EU-Staaten von Diskriminierung innerhalb des vergangenen Jahres. In Tschechien liegt der Anteil noch höher.
Die Studie nennt zahlreiche Bereiche des täglichen Lebens, in denen Roma Benachteiligungen erleben. Dazu zählen unter anderem abgelehnte Bewerbungen, Probleme beim Zugang zum Gesundheitswesen, Benachteiligungen im öffentlichen Nahverkehr sowie eingeschränkte Chancen im Bildungsbereich und bei privaten Dienstleistungen.
Die Ergebnisse rückten rund um den Internationalen Roma-Tag am 8. April erneut in den Fokus. Präsident Petr Pavel empfing dazu etwa 20 Vertreter der Roma-Gemeinschaft auf der Prager Burg. Pavel erklärte, in Tschechien lebten schätzungsweise rund 250.000 Roma. Eine vollständige Integration dieser Bevölkerungsgruppe sei Voraussetzung für eine funktionierende und tolerante Gesellschaft.
Auch Umfragen zur öffentlichen Wahrnehmung zeigen deutliche Spannungen. Laut einer Erhebung des tschechischen Zentrums für Meinungsforschung aus dem vergangenen August glauben mehr als die Hälfte der Befragten, dass Roma schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben als die Mehrheitsbevölkerung. Mehr als 40 Prozent sehen Nachteile im öffentlichen und gesellschaftlichen Leben. 37 Prozent nannten Probleme beim Wohnen, 35 Prozent beim Zugang zu Bildung und Qualifikationen.
Gleichzeitig zeigt die Umfrage aber auch widersprüchliche Wahrnehmungen. Rund ein Drittel der Befragten ist der Ansicht, die Wohnsituation von Roma sei nicht schlechter als im Durchschnitt oder sogar besser. Diese Einschätzung steht laut Experten im Widerspruch zu den tatsächlichen Lebensbedingungen vieler Roma-Siedlungen, in denen weiterhin beengte Wohnverhältnisse und mangelhafte Infrastruktur verbreitet sind.
Kritik gibt es zudem an der Darstellung von Roma in den Medien. Der Drehbuchautor und Regisseur Robert Poupatko sieht dort wiederkehrende stereotype Rollenbilder. Roma würden häufig entweder als Karikatur, als Opfer oder als Täter dargestellt. Die Vielfalt der Gemeinschaft bleibe dabei weitgehend unsichtbar.
Nach Ansicht Poupatkos hat dies langfristige Folgen, insbesondere für junge Roma. Fehlende positive Vorbilder in der Öffentlichkeit erschwerten Identifikation und gesellschaftliche Teilhabe zusätzlich.