Die Abgeordnetenkammer in Prag steht vor einer richtungsweisenden Debatte über den geplanten Sudetendeutschen Tag in Brünn. Nach Angaben der Nachrichtenagentur ČTK hat Parlamentspräsident Tomio Okamura (SPD) am Dienstag einen Resolutionsentwurf eingebracht, der die Organisatoren zur Absage der Veranstaltung auffordert.
Konkret sieht der Vorschlag vor, den Sudetendeutschen Tag nicht auf tschechischem Staatsgebiet stattfinden zu lassen. Okamura begründete dies mit einer klaren Ablehnung der Veranstaltung in Tschechien. Der 76. Sudetendeutsche Tag ist vom 22. bis 25. Mai in Brünn geplant und wäre das erste Treffen dieser Art im Land. Veranstaltet wird es von der Sudetendeutschen Landsmannschaft, eingeladen durch die Initiative „Meeting Brno“.
Die Regierungskoalition argumentiert vor allem mit der historischen Sensibilität des Themas. Die ANO-Politikerin Taťána Malá erklärte, die Veranstaltung könne „unnötige Emotionen“ hervorrufen und alte gesellschaftliche Wunden öffnen. Statt zur Versöhnung beizutragen, bestehe die Gefahr neuer Spannungen. Eine Mehrheit der ANO-Abgeordneten unterstützt demnach den Resolutionsentwurf.