Tschechien erwägt eine Million Kronen für zweites Kind
Tschechien erwägt neue finanzielle Anreize für Familien, nachdem die Zahl der Geburten auf einen historischen Tiefstand gefallen ist. Ministerpräsident Andrej Babiš brachte unter anderem eine Zahlung von einer Million tschechischen Kronen für ein zweites Kind ins Gespräch. Das berichtet die tschechische Quelle.
Nach Angaben aus der Vorlage wurden 2025 in Tschechien nur 77.600 Kinder lebend geboren. Damit wurde der niedrigste Wert seit Beginn der statistischen Aufzeichnungen im Jahr 1785 erreicht. Die Zahl der Geburten ging demnach in allen Regionen gegenüber dem Vorjahr zurück.
Auch die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau sank weiter. Die sogenannte Gesamtfruchtbarkeitsrate lag 2025 bei 1,28 Kindern je Frau. Gleichzeitig stieg das Durchschnittsalter von Frauen bei der Geburt ihres ersten Kindes auf 29,2 Jahre.
Babiš kündigte an, verschiedene Vorschläge zur Unterstützung von Familien prüfen zu wollen. Dazu gehört nach seinen Angaben eine mögliche Zahlung von einer Million Kronen für das zweite Kind. Außerdem sprach er über eine lebenslange Steuervergünstigung für Eltern eines dritten Kindes.
Weitere Maßnahmen könnten Eltern unterstützen, die studieren. Auch der Ausbau von Kinderkrippen und Kindergruppen sowie eine bessere Verfügbarkeit von bezahlbarem Wohnraum gehören zu den diskutierten Ansätzen. Babiš will dazu die zuständigen Minister zusammenbringen.
Der Ministerpräsident kritisierte zudem die Höhe der tschechischen Hypothekenzinsen. Er stellte die Frage, warum die tschechischen Zinssätze weiterhin rund 1,5 Prozentpunkte über denen in der Eurozone liegen. Günstigere Hypotheken waren bereits ein Thema im Wahlkampf von Babiš’ Partei ANO.
Auch die geplante Ausweitung der assistierten Reproduktion war Thema. Das Gesundheitsministerium schlägt demnach vor, alleinstehenden Frauen eine künstliche Befruchtung ohne männlichen Partner zu ermöglichen. Dagegen hatte unter anderem die Alliance for Family Kritik geäußert.
Babiš betonte in der Debatte die Bedeutung von Vätern, verwies zugleich aber auf Scheidungen und Probleme beim Unterhalt für Kinder. Zu seinen möglichen eigenen Interessen an Reproduktionskliniken wollte er sich wegen entsprechender Vorwürfe nicht ausführlicher äußern.
Die Diskussion über finanzielle Familienhilfen und die assistierte Reproduktion findet vor dem Hintergrund des starken demografischen Rückgangs in Tschechien statt. Konkrete Entscheidungen über die vorgeschlagenen Maßnahmen liegen nach den vorliegenden Informationen noch nicht vor.