Logo Die Sachsen News

Zuse-Museum: Hoyerswerdas OB setzt auf Umzug

Außenansicht des Zuse-Computer-Museums ZCOM in Hoyerswerda
Konrad Zuse vor seinem ersten Computer: Das Zuse-Computer-Museum ZCOM in Hoyerswerda ist seit 1. September geschlossen. Foto: Ulf Mallek
Oberbürgermeister Torsten Ruban-Zeh ist vorsichtig optimistisch, dass das ZCOM zu retten ist. Den Weg dorthin sieht er allerdings nicht am alten Standort.

Ein Bericht von Ulf Mallek

Hoyerswerda. Für das geschlossene Zuse-Computer-Museum ZCOM gibt es aus dem Rathaus ein Signal. Oberbürgermeister Torsten Ruban-Zeh (SPD) ist nach eigenen Worten vorsichtig optimistisch, dass das Museum gerettet werden kann. Das sagte er am Donnerstag im Gespräch mit Meißen News. Sein bevorzugter Weg führt allerdings aus der Stadt hinaus, in die Energiefabrik Knappenrode, einen Standort des Sächsischen Industriemuseums.

Weniger Platz, aber ausreichend

„Den Umzug nach Knappenrode halte ich Stand jetzt für die vermutlich beste Option, um das Museum noch zu retten“, sagte Ruban-Zeh. Eine Integration in die Energiefabrik sei der vernünftigste und preiswerteste Weg, ohne das Museum aufzugeben. Dass das ZCOM dort weniger Platz hätte, sei für ihn kein Problem. Der Platz sei ausreichend. Die Millionensummen, die der Förderverein für den Abbau und Neuaufbau des Museums nenne, hält der OB für übertrieben. Es werde weit weniger als eine Million Euro kosten.

Geprüft wurde nach Angaben des OB auch, das Museum in die bestehende städtische Zoo, Kultur und Bildung Hoyerswerda gGmbH einzugliedern, zu der unter anderem das Schlossmuseum gehört. Diese Gesellschaft erhalte jährlich 2,7 Millionen Euro Zuschuss, 2027 sogar noch einmal 370.000 Euro mehr. Die Prüfung habe ergeben, dass das ZCOM dort nicht integriert werden könne, der Aufwand sei zu groß. Möglich sei aber, die Workshops für Schüler aus dem Zuse-Museum auszugliedern und im Neustadtforum anzubieten. Das ist das frühere Jugendclubhaus „Nikolai Ostrowski“, das derzeit für rund 13 Millionen Euro zu einem Zentrum für Bildung, Begegnung und Kultur mit Planetarium umgebaut wird.

Eine eigenständige gGmbH für das ZCOM, wie sie der Förderverein plant, schließt Ruban-Zeh nicht aus. Dafür brauche er aber ein verlässliches Finanzkonzept, das nicht nur aus Annahmen bestehe. Liege ein gutes Konzept vor, sei er bereit, einen neuen Beschluss zum ZCOM in den Stadtrat einzubringen. Die 20.000 Besucher im Jahr, mit denen der Verein bereits für 2027 rechne, hält er für unwahrscheinlich. Real seien pro Jahr etwa 3.200 bis 3.500 zahlende Museumsgäste gekommen, dazu etwa 6.000 bis 7.000 Schulkinder, die nur wenig Eintritt zahlen.

Dass der anonyme Spender, der zugleich für eine Stiftung spricht, Knappenrode ablehne, stimme zwar, sagte der OB. Der Spender hat 250.000 Euro in Aussicht gestellt, wenn das Museum am Ort bleibt und auch 2028 noch existiert. Bei seinem Besuch in Knappenrode sei es aber dunkel gewesen und die Energiefabrik geschlossen, sein Eindruck daher begrenzt. Ruban-Zeh hält es für möglich, dass der Spender auch bei einem Umzug Geld gibt, vielleicht nicht 250.000, aber dann doch 150.000 Euro.

Konstruktion als Kern der Misere

Das eigentliche Problem sieht der OB in der Konstruktion aus Stiftung und Förderverein. Die städtische Wohnungsgesellschaft Hoyerswerda (WH), Mitgründerin der ZCOM-Stiftung, habe das Museum bisher mit einem Mietzuschuss von 110.000 Euro als Spende unterstützt und mit weiteren Zuflüssen, zusammen rund 300.000 Euro im Jahr. Das habe ihr Aufsichtsrat nicht mehr gewollt, auch weil die Miete weit unter dem Mietspiegel liege und die WH deshalb Strafsteuern an das Finanzamt zahlen müsse. Schon vor dem Streit um die Schließung habe der OB angeboten, die WH zahle ab 2028 nur 110.000 Euro und die Stadt übernehme den gesamten Rest. Der Aufsichtsrat der WH habe das abgelehnt. Die WH wolle die Abwicklung. Dabei werde sie die große Museums-Fläche kaum neu vermietet bekommen und müsse umbauen, damit kleine Läden einziehen können.

Jünger, mehr Aktion

Ruban-Zeh betonte, er halte viel von Zuse und wolle das Museum unbedingt erhalten. Es müsse sich aber ändern. Derzeit sei es ein Museum eher für ältere  Nerds, es müsse jünger werden und mehr Aktion bieten. Auch das Depot mit den 18.000 Geräten müsse entrümpelt werden. An der Spitze des Museums könnte sich nach seiner Einschätzung der neue Museumskoordinator Alexander Sakuth bewähren.

Der Stadtrat Hoyerswerda hatte am 30. Juni beschlossen, den städtischen Zuschuss für das ZCOM ab 2027 zu streichen. Das Museum ist seit dem 1. September geschlossen. Hintergrund zum Rettungsplan und zur Gegenrechnung der Stadt: Zuse-Museum Hoyerswerda: Ein Schatz, den keiner bezahlen will. Mehr zum Neustadtforum bei der Stadt Hoyerswerda.