Stromtrasse: FDP Meißen stellt sich gegen Korridor durch den Friedewald
Meißen. Der FDP-Kreisverband Meißen lehnt den Alternativvorschlag 8 für die geplante 380-kV-Höchstspannungsleitung zwischen Großenhain/Nord und Dresden-Altwilschdorf ab, insbesondere die Teilstrecke durch den Friedewald. Das teilte die Partei am 4. November 2026 mit. Die FDP unterstützt stattdessen die ursprünglich von 50Hertz beantragten Korridore A bis D, die weitgehend bereits vorhandene Korridore nutzen.
„Wir halten den Ausbau der Strominfrastruktur für unumgänglich, um eine sichere und leistungsgerechte Anbindung der Großverbraucher im Dresdener Norden zu gewährleisten“, erklärt der Vorstand des Kreisverbandes. „Die dortige sich entwickelnde energieintensive Industrie benötigt stabile Versorgungsbedingen, die durch die aktuellen Kapazitäten nicht gewährleistet sind. Zudem entstehen zukunftssichere Arbeitsplätze mit einer hohen Wertschöpfung von überregionaler Bedeutung.“
Dem NABU wirft die FDP vor, mit „vorgeschobenen Naturschutzargumenten“ den gesellschaftlichen Zusammenhalt unnötig zu gefährden. Die Abholzung eines Trassenstreifens werde von weiten Teilen der Bevölkerung abgelehnt. Auch eine unterirdische Leitung würde nach Ansicht der Partei eine baumfreie Trasse erfordern. Gleichstromtrassen seien zudem technisch extrem aufwendig, deutlich teurer und hätten eine geringere Lebensdauer.
Die Bedenken des NABU zu Natura-2000-Gebieten teilt die FDP nach eigenen Worten nicht. Hochspannungsleitungen gefährdeten weder Vogelschutzgebiete noch FFH-Habitate, argumentiert der Kreisverband. Es würden nahezu keine Flächen versiegelt, und es gebe keine beweglichen Anlagen, die Vogelzüge gefährden könnten. Unter der Leitung könne sich die Natur ungehindert entwickeln, Landwirtschaft betrieben und Wege sicher genutzt werden.
Die Leitung ist Teil der Elbe-Oberlausitz-Leitung von 50Hertz. Sie soll vor allem den wachsenden Strombedarf in Dresden decken, unter anderem durch Infineon und die Chipfabrik von ESMC. Die Landesdirektion Sachsen hatte in ihrer Raumverträglichkeitsprüfung eine Kombination der Korridore A und D als Vorzugsvariante bewertet. Diese umgeht Großenhain im Westen und Süden, führt in den Raum Radeburg und folgt dann der A13 bis Altwilschdorf. Der Korridor westlich von Moritzburg kam als Alternativvorschlag 8 in das Verfahren und wurde von 50Hertz als Korridor E konkretisiert. Weinböhla, Moritzburg, Niederau und Coswig lehnen den Korridor durch den Friedewald ab. Meißen News auf diesachsen.de hatte darüber berichtet.
Die 380-kV-Leitung zwischen Großenhain/Nord und Altwilschdorf ist der mittlere von drei Abschnitten der rund 92 Kilometer langen Elbe-Oberlausitz-Leitung zwischen Streumen und Schmölln. Das Ergebnis der Raumverträglichkeitsprüfung ist Grundlage für das folgende Planfeststellungsverfahren von 50Hertz. Die raumordnerische Stellungnahme ist im Bekanntmachungsportal der Landesdirektion Sachsen unter „Infrastruktur/Raumordnung“ abrufbar.