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Stromtrasse durch den Friedewald: Landesdirektion stellt klar, über Korridor E ist nichts entschieden

Stromtrasse durch den Friedewald: Landesdirektion stellt klar, über Korridor E ist nichts entschieden
Die untersuchten Korridore der Elbe-Oberlausitz-Leitung zwischen Streumen und dem Dresdner Norden. Der westliche Bogen um Moritzburg ist der umstrittene Korridor E. Karte: 50 Hertz
Im Streit um die 380-kV-Leitung von 50Hertz betont die Landesdirektion Sachsen: Der umstrittene Korridor E westlich von Moritzburg ist weder genehmigt noch festgelegt. Die Gemeinden bleiben bei ihrem Nein.

Weinböhla/Moritzburg. Über eine Trasse der geplanten 380-kV-Höchstspannungsleitung durch den Friedewald ist noch nicht entschieden. Das geht aus einem Schreiben von Landesdirektionspräsident Béla Bélafi an den Radebeuler  Landtagsabgeordneten Sven Eppinger (CDU) vom 9. Oktober hervor. Anlass war ein Gespräch der beiden am 5. Oktober. Der Korridor E würde zwischen Weinböhla und Moritzburg durch den Friedewald und nahe am Dippelsdorfer Teich vorbeiführen. Dagegen wehren sich mehrere Gemeinden.

Die Leitung soll vor allem den wachsenden Strombedarf in Dresden decken, unter anderem durch die Chipfabrik von ESMC. Die Landesdirektion hatte im Mai die Raumverträglichkeitsprüfung für den Abschnitt von Großenhain nach Altwilschdorf abgeschlossen. Geprüft wurden dabei die von 50Hertz beantragten Korridore A bis D. Ein Korridor westlich von Moritzburg kam als „Alternativvorschlag 8“ im Beteiligungsverfahren hinzu. Die Behörde schätzte ihn vorläufig als ernsthaft in Betracht kommend ein, weil er Natura-2000-Gebiete womöglich weniger beeinträchtige. Grundlage sei aber nur „eine Grobskizzierung“ gewesen. Die raumordnerische Stellungnahme stelle „weder eine Genehmigung des Alternativvorschlags 8 noch eine Vorfestlegung dar“, schreibt Bélafi.

Im Juli leitete die Landesdirektion auf Antrag von 50Hertz das sogenannte Scoping-Verfahren ein, in dem die Umweltthemen für die spätere Planfeststellung ermittelt werden. 50Hertz brachte darin laut Schreiben drei Varianten ein: die Kombination D+A als Vorzugsvariante, den Korridor D sowie den Korridor E. Auch damit sei „keine abschließende Festlegung oder Entscheidung für einen bestimmten Korridor verbunden“. Der Netzbetreiber erwäge, den Korridor E sowie die noch fehlende Verbindung zwischen A und D der Landesdirektion zur Bewertung vorzulegen. „In diesem Fall würde die Landesdirektion Sachsen eine erneute Öffentlichkeitsbeteiligung durchführen.“

50Hertz selbst erklärte, dass die verschiedenen Alternativen in den laufenden Untersuchungen gleichrangig geprüft würden. Bis voraussichtlich Frühsommer 2027 sollen die Daten für den Vergleich vorliegen. Den Vorwurf, die Gemeinden seien überrumpelt worden, weist das Unternehmen zurück. Sie seien vorab in Gesprächen und Anfang September bei einer Kreiskonferenz informiert worden.

Die Gemeinden bleiben bei ihrer Ablehnung. Weinböhla werde sich „bis aufs Äußerste ablehnend positionieren“, sagte Bürgermeister Siegfried Zenker (CDU) der SZ. Die Trasse könnte dem Status als staatlich anerkannter Erholungsort „mittelfristig den Garaus machen“. Moritzburgs Bürgermeisterin Katrin Sontag (parteilos) sagte: „Unsere Haltung ist klar: Wir lehnen eine Trasse durch den Friedewald definitiv ab.“ Auch Coswigs OB Thomas Schubert lehnt den Korridor ab. Wie die anderen fordert er eine Bündelung entlang der Autobahn A13. Viele Gemeinden aus dem Landkreis Meißen hätten im Scoping auf das Bündelungsgebot, den Tourismus und die Folgen für die Waldflächen hingewiesen, heißt es auch im Schreiben der Landesdirektion.

Auf wen die Variante zurückgeht, war lange umstritten. Der Nabu hatte zunächst bestritten, sie eingebracht zu haben, dann aber aus Naturschutzgründen teilweise eingeräumt.  Den konkreten Trassenverlauf lehne der Nabu aber ab und setze stattdessen auf Erdkabel. Eine Online-Petition gegen den Korridor E hat inzwischen rund 1.900 Unterstützer.