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Mit Pegasus auf Schloss Lauenstein

Ältere Frau mit Stirnband und gemusterter Weste spricht vor einem großen Gemälde in Blau, Gelb und Grün.
Dagmar Ranft-Schinke bei der Eröffnung von „Auf Pegasus‘ Rücken“ vor einem ihrer Gemälde im Schloss Lauenstein. Foto: Dieter Hoefer
Zur Eröffnung ihrer Ausstellung „Auf Pegasus‘ Rücken“ im Osterzgebirgsmuseum Schloss Lauenstein kam auch Dagmar Ranft-Schinke. Die 82-jährige Malerin erzählte, wie sie die Entwicklung der VR-Brille angestoßen hat.

Ein Bericht von Ulf Mallek

Altenberg. Mitten im Raum steht ein großer Strauß Studentenblumen in einer braunen Tonvase, dunkelrot mit gelben Rändern. Dagmar Ranft-Schinke freut sich sichtlich darüber. Die kleine Frau mit Stirnband und gemusterter Weste ist 82 Jahre alt und so agil, als sei sie eben erst vom Flügelpferd gestiegen. Rund 20 Gäste sind am Samstagnachmittag ins Osterzgebirgsmuseum Schloss Lauenstein gekommen. Museumsleiterin Gabriele Gelbrich eröffnet die Ausstellung „Auf Pegasus‘ Rücken“, der Gitarrist Joe Sachse spielt dazu expressive Songs. Auch Dieter Hoefer vom Förderverein Freundeskreis Schloss Lauenstein spricht. Er betreut die Ausstellungsreihe im Schloss. „Uns ist es wichtig, den Menschen die wunderbare Landschaft des Erzgebirges und die Leistungen der Künstler in dieser Region nahezubringen“, sagt er.

Für die Künstlerin ist der Strauß mehr als Dekoration. Alles sei mit allem verbunden, sagt sie. „Ich bin keine Esoterikerin, aber ich weiß, dass Menschen, Tiere und Pflanzen unsichtbar miteinander verbunden sind.“ Inzwischen hätten das sogar Quantenphysik und Quantenphilosophie bestätigt, meint sie. Sie sei Pazifistin, gegen jede Art von Krieg, erzählt sie. Und sie könne mit Tieren sprechen. Tiere liebt sie ohnehin. Bis vor Kurzem hielt sie noch Pferde, daher auch der Titel der Ausstellung. Heute passen Gänse auf ihren Bauernhof auf, wachsam wie Hofhunde.

Diese Weltsicht steckt in ihren Bildern. Das Museum beschreibt eine Welt „zwischen Natur, Mythos und Traum“, mit geheimnisvollen Wesen, Landschaften und Symbolen, „Bilder, die sich nicht immer sofort erklären wollen“. Immer wieder taucht der Pegasus auf. Für Ranft-Schinke steht das Flügelpferd für innere Freiheit, schreiben die Kunstsammlungen Chemnitz. Erste Pegasus-Arbeiten entstanden laut ihrer Biografie schon 1969.

Dann erzählt sie eine Geschichte aus den 90er-Jahren. Wissenschaftler aus dem Silicon Valley hätten ihr damals die Vorzüge der neuen IT-Welt erklärt. Sie habe geantwortet, daran glaube sie erst, wenn sie in ihren Bildern spazieren könne. Das sei, so die Künstlerin, ein Anstoß zur Entwicklung der VR-Brillen gewesen. Belegt ist, dass sie tatsächlich ab 1992 mit der Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung in Darmstadt an „Begehbaren Bildern“ arbeitete, interaktiver Kunst am Computer. 1996 waren sie auf der Cebit zu sehen.

Geboren wurde Dagmar Ranft-Schinke 1944 in Chemnitz. Sie studierte von 1963 bis 1968 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, unter anderem bei Werner Tübke und Wolfgang Mattheuer. Von 1977 bis 1982 war sie die einzige Frau in der Künstlergruppe Clara Mosch, die in der DDR als oppositionell galt. „Ich glaube an die Kreativität in jedem Einzelnen von uns“, sagt sie. Ihre Gedanken zur Gegenwart schreibt sie in „DRS-Künstlerbriefen“ auf, fiktiven Selbstgesprächen in Briefform. Die hängt sie an der Bushaltestelle ihres Heimatortes aus. Im Chemnitzer Ortsteil Adelsberg hatte sie während des Corona-Lockdowns das Bushäuschen zur Freiluftgalerie gemacht.

Wer mehr von ihr sehen will, kann bald nach Zwickau fahren. Dort ist sie in der Schau „Mythos Erzgebirge. Kunst und Eigensinn einer Region“ vertreten, die am 31. Oktober in der Historischen Baumwollspinnerei eröffnet. Auf 1.600 Quadratmetern sind mehr als 350 Kunstwerke von 122 Künstlern zu sehen. Kuratoren sind Paul Kaiser und Dieter Hoefer, Veranstalter sind das Dresdner Institut für Kulturstudien und der Kunstverein Zwickau. Die Schau läuft bis 23. Mai 2027.

In ihren Bildern spazieren kann man in Lauenstein übrigens auch ohne Brille. Man muss nur genau hinschauen.