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Meißner Abgeordneter: "Unsere sächsischen Kunstschätze verfallen"

Meißner Abgeordneter: "Unsere sächsischen Kunstschätze verfallen"
Kunstschätze in den Staatlichen Kunstsammlungen: Viele sind restaurierungsbedürftig. Foto: SKD
Mehr als 37.000 Objekte der Dresdner Kunstsammlungen müssen restauriert werden. Der AfD-Landtagsabgeordnete Thomas Kirste wirft der Regierung ein zu langsames Tempo vor.

Ein Bericht von Ulf Mallek

In den Depots und Sammlungen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) warten mehr als 37.000 Objekte auf eine Restaurierung. Das geht aus der Antwort von Kulturministerin Barbara Klepsch (CDU) auf eine Kleine Anfrage des Meißner AfD-Landtagsabgeordneten Thomas Kirste hervor (Drucksache 8/7848). Kirste, 1977 in Meißen geboren, vertritt den Wahlkreis Meißen 3 seit 2019 im Landtag. 2024 gewann er ihn mit 40 Prozent der Stimmen das Direktmandat. In seiner Fraktion ist er kulturpolitischer Sprecher.

35.600 Objekte seit 1990 restauriert

Laut Ministerium haben die SKD seit 1990 rund 35.600 Objekte restauriert. Das entspricht 1,75 Prozent des Gesamtbestands von etwa zwei Millionen Objekten. Aktuell bestehe bei 37.356 Objekten Restaurierungsbedarf. Die Zahl der bisherigen Restaurierungen beruht allerdings „größtenteils auf Schätzungen der SKD“, vor allem für die Zeit vor mehr als zehn Jahren, räumt das Ministerium ein. Eine „trennscharfe statistische Auswertung“ sei wegen der uneinheitlichen Daten nicht möglich.

Für externe Restaurierungsaufträge gaben die SKD von 2016 bis 2025 gut sechs Millionen Euro aus, genau 6.034.567,46 Euro. Darin sind die eigenen Restauratoren nicht enthalten. Deren Kosten lassen sich laut Antwort nicht beziffern, weil sie auch Transporte begleiten oder Ausstellungen hängen. Die Zahl der Restauratorenstellen ist in den vergangenen Jahren gesunken: von 45,5 Vollzeitstellen im Jahr 2019 auf 39,5 im Jahr 2026.

Gipsabgüsse seit Krieg und Flut beschädigt

Besonders schlecht steht es um die Gipsabgüsse der Skulpturensammlung. Sie werden laut Ministerium „zu 80 Prozent als dringend konservierungs- und restaurierungsbedürftig angesehen. Die mehr als 6.500 Objekte lagern überwiegend in einem Interimsdepot. Sie hätten im Zweiten Weltkrieg, bei der Flut 2002 und durch die anschließenden Umlagerungen teils massive Schäden erlitten. Mit der Restaurierung könne erst begonnen werden, wenn die Abgüsse in ein neues Depot umziehen, und auch dann nur mit zusätzlichem externem Fachpersonal. Als Gründe nennt das Ministerium die bauliche Situation und die große Zahl der Objekte. Wann das neue Depot kommt, sagt die Antwort nicht.

Restaurierungsbedürftig sind auch die Juwelengarnituren des Grünen Gewölbes, vor allem die Stücke, die nach dem Einbruch von 2019 zurückgekehrt sind. Sie befinden sich laut Ministerium aber noch in Verwahrung des Landgerichts Dresden und dürfen deshalb noch nicht bearbeitet werden.

Kirste: „Es ist fraglich, ob das alle Kunstschätze überleben“

Kirste fordert mehr Tempo. „Die Regierung muss deutlich schneller restaurieren, sonst verfallen unsere sächsischen Kunstschätze“, erklärte er. Beim bisherigen Tempo würde es 36 Jahre dauern, den aktuellen Bedarf abzuarbeiten. „Es ist fraglich, ob das alle Kunstschätze überleben.“ Die Rechnung lässt sich nachvollziehen, wenn man die rund 35.600 Restaurierungen seit 1990 gleichmäßig auf die Jahre verteilt. Sie setzt aber voraus, dass das Tempo gleich bleibt und kein neuer Bedarf entsteht.

Die SKD sollten sich „nicht länger mit der politisch korrekten Umbenennung von Objekten beschäftigen, sondern alles dafür tun, um unser kulturelles Erbe zu erhalten“, so Kirste weiter. Kirste meint damit offenbar die Überarbeitung historischer Werktitel, die heute als diskriminierend geltende Begriffe enthalten, etwa ‚Mohr‘ oder ‚Indianer‘. Nach Angaben der Kunstsammlungen betraf das bis September 2022 insgesamt 223 von rund 1,7 Millionen Objekten. Die ursprünglichen Titel würden nicht gelöscht, sondern blieben in der Datenbank erhalten. 

Die Anfrage war eine Nachfrage. Eine erste Anfrage Kirstes hatte das Ministerium im März nur teilweise beantwortet, weil die Daten der SKD nach einem Cyberangriff im Januar 2026 nicht verfügbar waren.