Krone für den kleinen Nachbarn: Saale-Unstrut stellt die Deutsche Weinkönigin – Sachsen fehlte diesmal
Die neue Deutsche Weinkönigin kommt aus der Nachbarschaft: Paula Löber aus dem Anbaugebiet Saale-Unstrut hat am Freitagabend, 25. September, in Neustadt an der Weinstraße die Wahl zur 78. Deutschen Weinmajestät gewonnen. Die 29-Jährige setzte sich im Finale im Saalbau gegen vier Mitbewerberinnen durch, teilte das Deutsche Weininstitut (DWI) mit. Deutsche Weinprinzessinnen wurden Kathrin Knierim (27, Rheinhessen) und Natalie Schäfter (25, Württemberg). Anna Antonia Cölsch (Pfalz) und Lena Roie (Rheingau) gingen leer aus.
„War das wirklich mein Name, der da gerade fiel?“, sagte Löber laut DWI direkt nach ihrer Wahl. Der Deutschen Presse-Agentur sagte sie: „Es ist unbeschreiblich.“ Die Krone übernahm sie von Anna Zenz von der Mosel. Ein Jahr lang wird Löber nun die deutsche Weinbranche mit ihren rund 14.000 Betrieben vertreten; das DWI rechnet für die Majestäten mit rund 200 Terminen im In- und Ausland.
Löber stammt aus der Altmark – das DWI nennt sie eine „gebürtige Stendalerin“. Sie lernte im Landesweingut Kloster Pforta, studierte Land- und Lebensmittelwirtschaft und betreut bei Rotkäppchen-Mumm in Freyburg Projekte in Umwelt, Energie, Technik und Qualität. Von 2022 bis 2024 war sie Bad Kösener Weinprinzessin, 2025/26 Gebietsweinkönigin von Saale-Unstrut.
Für Saale-Unstrut ist es erst der zweite Titel: Nach DWI-Angaben holte Löber die Krone zum zweiten Mal in das nördlichste Anbaugebiet. Die erste war 1993/94 Sandra Hake (heute Frölich) aus Roßbach bei Naumburg. Schon im Vorjahr war die Region im Trio vertreten – mit Emma Meinhardt als Deutscher Weinprinzessin.
Auch für Ostdeutschland ist die Krone selten. Saale-Unstrut und Sachsen nehmen erst seit 1990 an der Wahl teil. Laut der bei Wikipedia geführten Liste gab es seither nur vier Deutsche Weinköniginnen aus dem Osten: neben Hake und Löber noxh Ines Hoffmann aus Dresden (1996/97) und Evelyn Schmidt aus Radebeul (2007/08). Eine Deutsche Weinprinzessin kam demnach 2003/04 aus Sachsen: Antje Wiedemann. Aus einer „Ost-West-Sache“ will Löber ihren Sieg aber nicht machen. „Ich sehe das gar nicht Ost-West“, sagte sie laut dpa. „Am Ende sind wir alle für den deutschen Wein.“
Die beiden östlichen Anbaugebiete gehören zu den kleinsten im Land. Mit 868 Hektar (2025) ist Saale-Unstrut laut DWI das größte der fünf deutschen Weinbaugebiete mit weniger als 1.000 Hektar. Im Anbaugebiet Sachsen standen 2025 laut Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie 523 Hektar im Ertrag, davon 490 Hektar im Freistaat. Beide Gebiete reichen über Ländergrenzen hinweg: Saale-Unstrut über Teile Sachsen-Anhalts, Thüringens und Brandenburgs, das Anbaugebiet Sachsen auch nach Sachsen-Anhalt und Brandenburg.
Das sächsische Elbland hatte in diesem Jahr keine Chance auf die Krone: Im Vorentscheid am 19. September traten laut SWR zehn Bewerberinnen und ein Bewerber an; nur die Anbaugebiete Sachsen und Nahe schickten nach Angaben von DWI und SWR niemanden nach Neustadt. Grund: Im Jahr 2025 hatte der Weinbauverband Sachsen erstmals seit rund 40 Jahren keine Sächsische Weinkönigin gewählt – die letzte verbliebene Bewerberin hatte ihre Kandidatur zurückgezogen, eine zweite war vom Vorstand nicht zugelassen worden. Normalerweise tritt die Gebietsweinkönigin im Jahr nach ihrer Amtszeit in Neustadt an.
Seit dem 11. August hat Sachsen wieder eine Weinkönigin: Die 19-jährige Luise Puhlmann, Abiturientin aus Radebeul und aus einer Winzerfamilie, wurde von einer Fachjury in der Winzergenossenschaft Meißen zur 37. Sächsischen Weinkönigin gewählt, begleitet von den Weinprinzessinnen Jessica Löffner und Joséphine Sander.