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Handwerk im Kreis Meißen tritt seit drei Jahren auf der Stelle

Zwei Dachdecker mit Schutzhelm decken ein Steildach mit Biberschwanzziegeln, daneben hängt eine Palette Ziegel am Kran
Dachdecker bei der Arbeit: Trotz schwacher Auftragslage halten die meisten Handwerksbetriebe in Ostsachsen an ihren Beschäftigten fest. Symbolfoto: Hauserphoton/Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0
Die Handwerksbetriebe in Ostsachsen halten an ihren Leuten fest, obwohl die Aufträge im Schnitt nur noch neun Wochen reichen. Nur acht Prozent glauben an bessere Geschäfte.

Landkreis Meißen. Das Handwerk im Landkreis Meißen und in ganz Ostsachsen kommt nicht aus dem Tief. Das zeigt die Herbstumfrage der Handwerkskammer Dresden, die am Dienstag veröffentlicht wurde. Das Geschäftsklima liegt bei 103 Punkten, exakt so hoch wie im Herbst 2025. „Seit drei Jahren setzt sich damit die Seitwärtsbewegung ohne nennenswerte Ausschläge nach oben oder unten fort“, schreibt die Kammer. Anzeichen für eine Erholung fehlten weiterhin.

Befragt wurden vom 1. bis 30. September 3.010 Betriebe im Kammerbezirk Dresden. Zu ihm gehören neben der Landeshauptstadt die Landkreise Meißen, Bautzen, Görlitz und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Rund 19 Prozent der Betriebe antworteten.

Nur acht Prozent rechnen mit besseren Geschäften

40 Prozent der Handwerksbetriebe bewerten ihre Lage als gut, 43 Prozent als befriedigend. Der Blick nach vorn ist düster: Nur 8 Prozent erwarten bessere Geschäfte in den nächsten Monaten, 22 Prozent eine Verschlechterung. 23 Prozent der Unternehmen melden gesunkene Umsätze, 17 Prozent gestiegene.

Auch die Auftragsbücher sind dünn. 27 Prozent der Betriebe haben einen unterdurchschnittlichen Auftragsbestand, nur 7 Prozent einen überdurchschnittlichen. Im Schnitt reichen die Aufträge neun Wochen. Manche Betriebe wüssten deshalb nicht, wie sie zu Beginn des neuen Jahres dastehen, so die Kammer.

„Steigende Energie- und Rohstoffpreise, unterbrochene Lieferketten, die Konsumzurückhaltung von Seiten der Verbraucher und auch die starke Zurückhaltung der Industrie belasten die Geschäfte im Handwerk“, sagt Andreas Brzezinski, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Dresden. Auch die Impulse aus dem Sondervermögen des Bundes kämen bisher nicht bei den Handwerksbetrieben an.

Betriebe halten ihre Leute

Beim Personal bleiben die Betriebe trotzdem standhaft. 74 Prozent berichten von gleichbleibenden Beschäftigtenzahlen. 15 Prozent haben im vergangenen halben Jahr Personal abgebaut, 11 Prozent neue Leute eingestellt. Viele bilden trotz der schwierigen Lage weiter aus.

Deutlich angezogen haben dagegen die Preise. 70 Prozent der Betriebe zahlen mehr für Material und Waren, 20 Prozentpunkte mehr als vor einem Jahr. 37 Prozent haben ihre eigenen Preise bereits erhöht, weitere 48 Prozent planen das.

Kammerpräsident Jörg Dittrich, selbst Dachdeckermeister, fordert Reformen: „Es fehlt aktuell schlicht an politischen und wirtschaftlichen Impulsen insbesondere aus Berlin. Denn nur mit Reformen wird sich die Lage bessern. Betriebe und Beschäftigte brauchen mehr finanziellen Spielraum für Investitionen und Konsum.“

Immer weniger wollen ihr eigener Chef sein

Sorgen macht der Kammer auch der fehlende Nachwuchs an Unternehmern. Eine Umfrage, die sie im Oktober beim Institut Civey in Auftrag gab, zeigt: Nur rund ein Drittel der Beschäftigten kann sich vorstellen, sich selbstständig zu machen. Ein Drittel lehnt das kategorisch ab. Bundesweit wurden dafür online 2.500 Angestellte und 2.000 Selbstständige befragt. In Ostdeutschland lehnen sechs von zehn Angestellten eine Selbstständigkeit ab, im Westen ist es die Hälfte. Als größte Hürden nennen gut zwei Drittel der Selbstständigen und ein Drittel der Angestellten Bürokratie und finanzielle Risiken.

„Es muss sich lohnen, die Ärmel hochzukrempeln und anzupacken“, sagt Dittrich. „Wir benötigen dringend lösungsorientierte Ansätze, um die Attraktivität der Selbstständigkeit zu stärken.“

Schon im Frühjahr hatte die Kammer kaum Bewegung gemessen. Damals lag das Geschäftsklima bei 104 Punkten, die Geschäftslage war laut Kammer die schlechteste seit dem Frühjahr 2010. Die vollständigen Ergebnisse stehen auf der Konjunkturseite der Handwerkskammer Dresden.