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Freiberg: Wahl des Amtsverwesers vertagt, Abwahl des OB bleibt

Rathaus von Freiberg mit Turm und Erker unter blauem Himmel
Das Freiberger Rathaus am Obermarkt. Foto: Bernd Gross / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0
Die Wahl eines Amtsverwesers für Freiberg fällt vorerst aus. Ob der Stadtrat am Donnerstag den Weg zur Abwahl des Oberbürgermeisters freimacht, bleibt offen.

Freiberg. Der Freiberger Stadtrat wählt am Donnerstag, 5. November, vorerst keinen Amtsverweser. Auf Empfehlung des Ältestenrates hat die Stadtverwaltung die Abstimmung am späten Abend des 29. Oktober verschoben, wie die Freie Presse berichtet. Grund ist die Uneinigkeit über die Person: Es gibt zwei Bewerber, aber keine gesicherte Mehrheit. Ein neuer Termin ist bislang nicht bekannt.

Martin Seltmann, Bürgermeister für Stadtentwicklung und Bauwesen, vertritt die Stadt derzeit. Ihn unterstützen CDU, SPD, Linke, Grüne und Freiberg für alle. Freie Wähler und Bürger für Freiberg schlagen den TU-Professor Tobias Fieback vor.

Weiter auf der Tagesordnung der Sitzung steht dagegen der Antrag der Freien Wähler, ein Abwahlverfahren gegen Oberbürgermeister Philipp Preißler (parteilos) einzuleiten. Die Sitzung beginnt um 16 Uhr im Städtischen Festsaal. Anschließend soll der Rat über den Abstimmungstag, die Abstimmungsfrage und den Gemeindewahlausschuss beschließen.

Für den Antrag braucht es drei Viertel aller Stadträte, in Freiberg also mindestens 26 von 34 Stimmen. Erst dann entscheiden die Bürger. Laut Stadt wäre ein Sonntag zu Jahresbeginn ein realistischer Termin. Abgewählt ist der Oberbürgermeister nur, wenn die Mehrheit der gültigen Stimmen dafür ist und diese Mehrheit mindestens die Hälfte aller Wahlberechtigten ausmacht. Das wären gut 15.000 Stimmen.

Preißler (41) hatte im Oktober 2025 die Stichwahl gewonnen. Wegen einer Anfechtung der Wahl trat er das Amt erst Ende Juni an und nahm kurz darauf Urlaub. Am 6. August soll er in einem Leipziger Hotel randaliert und zwei Polizisten verletzt haben. Ermittelt wird wegen Sachbeschädigung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, es gilt die Unschuldsvermutung. Landrat Sven Krüger untersagte ihm am 10. August die Dienstgeschäfte, ein Disziplinarverfahren läuft. Nach der Vereidigung brach er laut Stadtverwaltung den Kontakt ab. Preißler hat sich öffentlich bisher nicht geäußert.

Dass die Stadt überhaupt einen Amtsverweser bekommt, hatte der Stadtrat am 1. Oktober mit 22 zu 10 Stimmen beschlossen. Wer es wird, muss der Rat mit absoluter Mehrheit bestimmen. Seltmann muss neben seinem Ressort die Aufgaben des Oberbürgermeisters übernehmen, der Amtsverweser soll ihn entlasten.

Info: Ein Oberbürgermeister kann in Sachsen nur von den Bürgern abgewählt werden. Den Bürgerentscheid löst entweder ein Bürgerbegehren aus, das mindestens ein Drittel der Bürger unterschreibt, oder der Stadtrat mit drei Vierteln aller Stimmen. Ein Amtsverweser ist Beamter auf Widerruf, übernimmt die Leitung der Verwaltung und vertritt die Stadt nach außen. Mehr zum Thema: Abwahlantrag gegen Freibergs OB: 18 Stimmen sicher, 26 nötig und Stimmen für eine Abwahl des Freiberger OB werden lauter.