Eckermann? Henkersmann! Da hat der Stasi-Spitzel wohl was nicht richtig verstanden - oder falsch verstehen wollen. Das Protokoll der DDR-Staatssicherheit weicht an entscheidender Stelle ab vom Text Wolf Biermanns. «Die Stasi ist mein Eckermann», singt der berühmte Liedermacher in Anspielung auf Goethes alles notierenden Sekretär. Biermanns Stasi-Überwacher machte daraus «Die Stasi ist mein Henkersmann».
«Geheimdienstakten sind trübe Quellen», sagt Raphael Gross. Der Präsident des Deutschen Historischen Museums in Berlin hat mit seinem Team einen genauen Blick auf Biermann geworfen. Mit der Ausstellung «Wolf Biermann. Ein Lyriker und Liedermacher in Deutschland» erzählen sie von Freitag an bis zum 14. Januar ein großes Stück deutsch-deutscher Geschichte anhand der Biografie des 86-Jährigen.
Dafür konnte das Museum nach Angaben vom Mittwoch nicht nur auf umfangreiche eigene Bestände zurückgreifen. Von den 281 Objekten stammt ein großer Teil aus dem riesigen Vorlass, den Biermann vor zwei Jahren der Staatsbibliothek Berlin überlassen hatte. Hinzu kommen Objekte aus dem privaten Besitz von Wolf und Pamela Biermann.