Viele DDR-Bürger kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Marmorboden, bequeme Sitzgruppen, Pflanzenarrangements, große Gemälde an den Wänden und eine fünf Meter hohe gläserne Blume in der Mitte - neugierig, fast ungläubig wandeln sie in den Apriltagen 1976 durch den nagelneuen Palast der Republik in Ost-Berlin. Ihr Blick richtet sich auch nach oben, wo über dem riesigen Foyer ein Meer von fast 10.000 Kugelleuchten Licht spendet - Inspiration für die bald gängige Bezeichnung «Erichs Lampenladen».
Der Palast, dessen markante, kupferbraun spiegelnde Fassade aus belgischem Thermoglas schnell das Stadtbild prägt, ist ein Prestigeprojekt des SED- und Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker. Die Reste des Hohenzollern-Stadtschlosses hatte man bereits 1950 gesprengt. An seiner Stelle haben Tausende Arbeiter in nur 32 Monaten Bauzeit den Palast hochgezogen - eine Art Volkshaus für Begegnung, Kultur, Entertainment, Essen und Trinken.
Die Kosten sind immens, an Material fehlt es ganz im Gegensatz zu anderen DDR-Baustellen nicht. «Kein Zweifel, Arbeiter und Ingenieure haben sich bei diesem Bauwerk große Mühe gegeben. Die Verarbeitung ist ordentlich und anständig», schwärmt damals selbst ein Korrespondent des West-Fernsehens.