Fast genau ein Jahr nach der Zerschlagung eines riesigen Netzwerks von Telefonbetrügern ist gegen die mutmaßlichen Betreiber eines Callcenters im Kosovo Anklage erhoben worden. Wie das bei der Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe eingerichtete Cybercrime-Zentrum Baden-Württemberg mitteilte, wird den beiden Kosovaren im Alter von 33 und 26 Jahren gewerbsmäßiger Bandenbetrug in mehreren Fällen vorgeworfen. Sie sollen sich vor dem Landgericht Ellwangen verantworten.
Fiese Telefon-Masche
Bei der Betrugsmasche soll den Opfern im deutschsprachigen Raum am Telefon vorgespiegelt worden sein, sie würden von ihrer Hausbank angerufen. Die Menschen sollten so dazu bewegt werden, Geld auf ein von den Betrügern kontrolliertes Konto zu überweisen. In einigen Fällen waren die Zugangsdaten der Geschädigten zum Online-Banking zuvor mit einer gefälschten Bankwebseite ausgespäht worden.
Lukrative Einnahmequelle
Die Anklagebehörde legt dem 33 Jahre alten Leiter des Callcenters im Kosovo zur Last, dieses spätestens ab September 2023 eröffnet zu haben, um sich und weiteren Bandenmitgliedern durch sogenanntes Online-Banking-Phishing eine lukrative und dauerhafte Einnahmequelle zu schaffen. Der 26-jährige Angeklagte aus Neumünster soll sich um die Anwerbung und Betreuung von sogenannten Finanzagenten gekümmert haben. Auf deren Konten wurden die betrügerisch erlangten Gelder zunächst überwiesen.
Umsichtiger Bankangestellter war entscheidend
Die Ermittlungen ins Rollen gebracht hatte ein umsichtiger Bankangestellter. Ein Betrüger hatte 2023 als angeblicher Polizist eine 76-jährige Frau aus Freiburg angerufen, um an ihr Geld zu kommen. Als die Dame 120.000 Euro von ihrem Girokonto abheben wollte, habe der Bankberater die Polizei informiert.
Die internetbasierte Nummer des Betrügers stellte sich für die Ermittler als Goldgrube heraus, sie führte zu einem riesigen Callcenter-Netzwerk. Das LKA Baden-Württemberg richtete eine Ermittlungsgruppe mit dem Namen «Pandora» ein, in die auch die Polizei aus Bayern, Sachsen und Berlin eingebunden war.