Für viele Kriminelle, die im Gefängnis eine Strafe verbüßen, ist Drogensucht ein Problem. Doch längst nicht in jeder Haftanstalt gibt es Therapieangebote. «Die Suchtproblematik ist immens hoch», erläuterte Eike König-Bender, Leiterin der Chemnitzer Justizvollzugsanstalt (JVA), am Donnerstag. Dort sitzen aktuell mehr als 200 Frauen aus Sachsen und Thüringen ein. Seit einem Jahr gibt es nun auch hier hinter Gefängnismauern eine Suchttherapiestation - als erstes Frauengefängnis bundesweit, wie König-Bender sagte. Bis zu 10 Plätze stehen zur Verfügung, vier sind aktuell belegt.
Vor allem Crystal sei ein weit verbreitetes Problem, aber auch Alkoholsucht, sagte der Leiter der Station, Jakob Brinkmann. Häufig führe das zu Beschaffungskriminalität. Auch mit Blick auf ein straffreies Leben nach der Haftzeit seien Therapieangebote wichtig. Die Therapie dauere in der Regel 12 bis 18 Monate. Daher kommt sie nur für Frauen infrage, die längere Haftstrafen verbüßen.
Für sie wurde dazu eine eigene Wohngruppe mit Küche, Fernseh- und Entspannungsraum eingerichtet. Sie machen früher Feierabend von ihrer Arbeit, um nachmittags die Therapie zu absolvieren. Dazu gehören psychotherapeutische Einzelgespräche, Entspannungstraining und Ergotherapie ebenso wie Sport, begleitete Ausgänge und Achtsamkeitstherapie. Regelmäßig gibt es Urin- und Atemalkoholkontrollen, auch der Umgang mit Rückfällen ist Thema.