Vom Nationalsozialisten «mit Haut und Haaren» zum geläuterten Aussteiger? In seiner ersten öffentlichen Aussage überhaupt hat der verurteilte NSU-Unterstützer André E. ein für viele überraschendes Bild gezeichnet: Mit seiner rechtsextremistischen Vergangenheit will er komplett gebrochen und abgeschlossen haben. Er habe sich gewandelt, wolle nicht mehr gegen das Gesetz verstoßen und einfach nur noch ein ganz normales Leben führen, sagt E. am Montag als Zeuge vor dem Untersuchungsausschuss des bayerischen Landtags in München. Und: Auch ein Nazi habe eine zweite Chance verdient.
Das soll also der E. sein, der bis zuletzt als eine der engsten Bezugspersonen des «Nationalsozialistischen Untergrunds» (NSU) galt? Der E., den sein Anwalt im NSU-Prozess als Nationalsozialisten «mit Haut und mit Haaren» bezeichnete? Der E., der sich einst «Die Jew Die» («Stirb, Jude, stirb») auf den Bauch tätowieren ließ?
E. betont wiederholt, von den Morden der NSU-Terroristen habe er damals nicht gewusst. «Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich den Kontakt abgebrochen», beteuert er. Und «wahrscheinlich» wäre er dann sogar zur Polizei gegangen. Er hätte niemals Menschen helfen wollen, die Menschen umbringen. «Es tut mir ja auch alles so leid», sagt er.